Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Dass die London to Brighton Veteran Car Run immer mehr junge Teilnehmer anzieht, ist längst keine Neuigkeit mehr. Dennoch steht in diesem Jahr erneut eine bemerkenswerte Debütantin am Start. Die 27-jährige Megan Casey tauscht ihren bisherigen Platz am Streckenrand gegen den Fahrersitz eines kürzlich erworbenen Humberette von 1903.
Gemeinsam mit ihrem Freund Alex Saunders verfügt die junge Enthusiastin aus Bedfordshire bereits über Erfahrung mit frühen Fahrzeugen. Durch ihre Familie lernte sie Lokomobile und Dampftechnik kennen, während Alex selbst einen Dampfwagen besitzt. Megan begann zunächst mit einem MG Roadster von 1967, doch ihr Interesse verlagerte sich allmählich auf die Pionierzeit des Automobils.
Im vergangenen Jahr begleitete sie Alex und einige Freunde während der Veteran Car Run noch auf einem dreisitzigen Tandem. Die Vielfalt der Fahrzeuge, ihre oft bemerkenswerten Lebensgeschichten und die Kameradschaft unter den Teilnehmern hinterließen einen tiefen Eindruck. ‚Diese Fahrzeuge haben außergewöhnliche Leben geführt‘, erzählt Megan. ‚Ich finde es faszinierend, immer mehr über sie zu erfahren.‘
Damit war der Wunsch geboren, selbst ein Veteranenfahrzeug zu besitzen. Nach langer Suche rückte ein erschwinglicher Humberette in den Blickpunkt: genau jene einfache, aber charaktervolle Maschine, nach der Megan gesucht hatte. ‚Er sieht genauso aus, wie ein richtiges Veteranenfahrzeug meiner Meinung nach aussehen sollte‘, sagt sie. ‚Außerdem war es ein britisches Automobil, das nach Hause zurückgebracht werden musste.‘
Wie sich herausstellte, war der Wagen ursprünglich in Kent zugelassen, ganz in der Nähe jener Gegend, in der Megan geboren wurde und aufwuchs. Damit war die Entscheidung gefallen.
Der Humberette nahm seit den 1970er-Jahren nicht mehr an der London to Brighton Run teil. Nachdem er mehrere Besitzer in Kent gehabt hatte, wurde er 1978 an ein Museum in Stockholm verkauft. Dort blieb das Fahrzeug mehr als vier Jahrzehnte, bis Megan es bei einer Auktion erwerben konnte.
Vor seiner Rückkehr auf britische Straßen sind noch einige Arbeiten erforderlich. Ein neuer Kraftstofftank wird angefertigt, und wegen des Verschleißes an der Vorderachse wurden verschiedene Teile ersetzt. Außerdem erhielt der Wagen neue Reifen, während das Innenleben des Getriebes überprüft wird.
Inzwischen hat Megan ihre ersten vorsichtigen Fahrten durch das Dorf absolviert. Einen 123 Jahre alten Humberette zu steuern, ist etwas völlig anderes als eine Fahrt mit ihrem MG. ‚Mit wechselndem Erfolg‘, sagt sie lachend. ‚Es ist definitiv eine Herausforderung, macht aber unglaublich viel Freude. Der Wagen zaubert mir ständig ein Lächeln ins Gesicht. Vor Brighton muss ich noch etwas üben, aber wir werden es schaffen.‘
Gerade diese Herausforderung macht einen wichtigen Teil der Faszination aus. Ein Veteranenfahrzeug verlangt nicht nur fahrerisches Können, sondern auch technisches Verständnis und Improvisationstalent. ‚Wenn etwas schiefgeht, muss man den Wagen nicht an einen Computer anschließen. Man öffnet die Motorhaube, krempelt die Ärmel hoch und versucht, das Problem zu finden. Mit der Zeit baut man wirklich eine Beziehung zu einem solchen Automobil auf. Es hat seinen eigenen Charakter und seine ganz persönlichen Eigenheiten.‘
Am Sonntag, dem 1. November, startet Megan im Hyde Park zu ihrer ersten London to Brighton Veteran Car Run. Nach mehr als vierzig Jahren in Schweden kehrt der kleine Humberette nach Brighton zurück – gesteuert von einer neuen Generation, die entschlossen ist, die ältesten Automobile auf der Straße zu halten.