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Die Wiedergeburt des Pan-American „6 Fifty-Five Special“

Manche Autos verschwinden leise aus der Geschichte. Andere erhalten — entgegen aller Erwartungen — ein zweites Leben. Der Pan-American „6 Fifty-Five Special“ gehört zu letzterer Kategorie: ein seltener Amerikaner von 1922, der nach mehr als einem Jahrhundert wieder auf die Straße zurückkehrt — neu interpretiert als authentischer Langstrecken-Rennwagen, inspiriert von den Ausdauerwettbewerben der frühen 1920er-Jahre.

 

Die Pan-American Motor Corporation existierte nur kurz, von 1917 bis 1922. In einer Zeit, in der Massenproduktion durch Giganten wie Ford den Markt dominierte, konnte sich die kleine Marke kaum behaupten. Das Ergebnis: nur eine Handvoll gebauter Fahrzeuge, von denen kaum eines die Zeit überdauert hat. Laut Besitzer könnte es sich hierbei um das einzige noch existierende Exemplar weltweit handeln — ein ehemaliger Model 6-55 Tourer, der bereits 1926 in Europa zugelassen wurde.

 

Als das Fahrzeug wieder auftauchte, bestand es kaum mehr als aus einer Sammlung von Teilen und einer Geschichte. Es folgte eine Restaurierung epischen Ausmaßes. Mehr als 2.900 Arbeitsstunden wurden investiert, um das Fahrzeug vollständig neu aufzubauen: vom Chassis und Antriebsstrang bis hin zu Motor, Lenkung und Elektrik.

Doch Restaurierung allein war nicht das Ziel. Das Team hinter CoastClassics unter der Leitung von Andreas Ullstein wollte noch einen Schritt weiter gehen: ein Auto zu entwickeln, das seinen Ursprüngen treu bleibt und gleichzeitig den Anforderungen moderner Langstreckenrallyes gewachsen ist. Diese Vision wurde in enger Zusammenarbeit mit Glenn Billqvist von Recreating History verwirklicht. Vielleicht kommen Ihnen diese Namen bekannt vor aus dem Streamliner C-16, den wir bereits vorgestellt haben.

 

Eines der eindrucksvollsten Elemente ist die Karosserie. Sie wurde vollständig von Hand aus Aluminium geformt, unter Einsatz traditioneller Techniken wie Hammer und Dolly. Das Ergebnis ist eine stromlinienförmige, beinahe skulpturale Form, die an frühe Rallyewagen der 1920er-Jahre erinnert.

 

Unter der Motorhaube arbeitet ein neu aufgebauter 5,5-Liter-Reihensechszylinder — das Herzstück des Fahrzeugs. Technisch wurde das Gesamtpaket behutsam modernisiert, um Zuverlässigkeit zu gewährleisten, ohne den Charakter der 1920er-Jahre zu verfälschen.

Dieses Gleichgewicht ist entscheidend: Das Fahrzeug ist inzwischen vollständig straßenzugelassen. Der „6 Fifty-Five Special“ wurde gebaut, um gefahren zu werden und lange Distanzen zu bewältigen — ganz im Sinne seiner ursprünglichen Bestimmung.

 

Mit seiner offiziellen Zulassung und Einsätzen bei Veranstaltungen in ganz Europa beginnt für den Pan-American „6 Fifty-Five Special“ ein neues Kapitel. Und der Kalender ist bereits gut gefüllt: Wales, Deutschland und Schweden stehen als erste Ziele an. Gemeinsam mit dem Team — denn wie Besitzer Andreas sagt:

Born in the USA. Reborn in Sweden. Reimagined in Spain. A legacy reborn… Some return by chance… Others through care… But the rarest return with purpose. And the purpose is what truly matters: a period-correct endurance race car, built to tackle European endurance rallies. And I’m the proud owner, with true friends and a magical team who helped bring this very unique marque back to life.

 

Text: Laurens Klein, Fotos: Coast Classic

 

Publiziert:
Samstag April 4th, 2026

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