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Zu Besuch bei WWS Drahtspeichen: Stolz, Leidenschaft und jede Menge Speichen und Räder

Als wir um die Kurve biegen, wissen wir sofort, dass wir an der richtigen Adresse sind. In das Eingangstor sind zwei Räder eingearbeitet, und etwas weiter steht zwischen den Bäumen ein alter Mercedes, davor ein Kunstwerk aus Speichen. Hier dreht sich alles um Räder – und das schon seit Generationen.

 

Im Inneren wird die Geschichte noch lebendiger. Überall stehen Räder, während alte Fotografien und Dokumente die Wände schmücken. Diese Vergangenheit darf durchaus gezeigt werden, denn die Geschichte des Unternehmens reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Es begann als Drahtzieherei für Metalldraht, doch als die Nachfrage nach Drahtprodukten, darunter auch Speichen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunahm, wurden Speichen und Speichennippel zum Hauptgeschäftsfeld. Das Unternehmen wuchs, und zu seinen besten Zeiten sollen hier an mehreren Standorten rund 3.500 Menschen beschäftigt gewesen sein, die eine Vielzahl von Draht- und Metallprodukten fertigten.

In der Werkshalle übernehmen im Erdgeschoss vor allem die Maschinen die Arbeit, auch wenn menschliches Wissen unverzichtbar bleibt. Im ersten Stock ist der Räderbau untergebracht. Inhaber Dirk ist eindeutig eher ein Mann der Werkstatt als ein Manager, der sich hinter seinem Schreibtisch versteckt. Mit offensichtlicher Begeisterung führt er uns durch den Betrieb.

 

Alles beginnt mit Metalldraht. Drahtrollen liegen überall, in unterschiedlichsten Durchmessern und aus verschiedenen Materialien. Dirk warnt uns, dass es ein wenig chaotisch wirken könne, doch vielleicht legt er dabei deutsche Maßstäbe an: Alles ist sorgfältig geordnet, dokumentiert und übersichtlich gelagert. Alte und neue Maschinen stehen nebeneinander, jede mit ihrer eigenen Aufgabe. Alle Mitarbeiter sind sehr flexibel: Sie können sowohl Maschinen bedienen als auch Verwaltungsaufgaben übernehmen und kennen sich im Räderbau bestens aus.

Die Maschinen für die Speichennippel produzieren bis zu neunzig Stück pro Minute. In einer anderen Maschine wird der Draht auf Länge geschnitten, an den Enden bearbeitet, mit Gewinde versehen und zur Speiche gebogen. Vollautomatisch kann eine Speichenmaschine bis zu 9.000 Speichen pro Stunde fertigen. Da das Einrichten der Maschinen relativ aufwendig ist, wird bei jedem Produktionslauf zusätzlicher Lagerbestand hergestellt. So entstand im Laufe der Zeit ein Bestand von – man höre und staune – vielen Millionen Teilen!

 

Das Unternehmen konzentriert sich ganz bewusst auf kleine bis mittlere gewerbliche Kunden: von Motorradwerkstätten über Onlinehändler und Radspannereien bis hin zu kleinen OEM-Kunden. Im Speichengeschäft dominiert eindeutig der B2B-Bereich, während beim Räderbau das Geschäft mit Privatkunden überwiegt. Wer beispielsweise 36 Speichen für ein Hochrad benötigt, ist hier genau richtig – und mit etwas Glück liegen sie bereits fertig im Regal.

Alles wird in Deutschland hergestellt. Selbst die Maschinen und der Draht stammen aus Deutschland; auch die galvanische Veredelung erfolgt dort. Von glatten Speichen über einfach- und doppeldickendige Ausführungen ist in nahezu allen Längen alles erhältlich. Das Gleiche gilt für die Speichennippel, die in unzähligen Ausführungen vorrätig sind. Das seit den 1930er-Jahren eingetragene Kleeblattlogo findet sich tatsächlich überall: auf Speichen, Nippeln und Verpackungen, auf Werbematerialien und sogar auf den Pflanzkübeln vor dem Gebäude.

 

Dirk und seine Frau kamen einst selbst als Kunden hierher, auf der Suche nach Speichen für Dirks Motorrad. Nach dem Tod des damaligen Eigentümers erhielt er die Gelegenheit, das Unternehmen zu übernehmen. Vor einigen Jahren übernahmen sie außerdem das befreundete Unternehmen „Radspannerei Köhler“, das auf den Bau und die Reparatur von Autorädern spezialisiert ist. Selbstverständlich hatte WWS bereits vor der Übernahme von Köhler eine Vielzahl von Speichenrädern gebaut, sodass diese Erweiterung perfekt zum Unternehmen passte.

 

In der Werkstatt werden Räder für Marken wie Horch, Lancia, Maserati, Mercedes-Benz, Alfa Romeo und Jaguar repariert, gewartet oder neu gebaut – selbst die Räder eines Ferrari 330 GTO wurden hier bereits gewartet. Natürlich repariert WWS ebenso gerne die Räder eines Mofas, und hin und wieder sind auch ein Lastenfahrrad, eine Rikscha oder Ähnliches dabei. Alles entsteht zu 100 Prozent in Handarbeit. „Made with our great hands“, sagt Dirk stolz.

Ebenfalls zu bewundern sind seine Vorkriegs-Zündapps: jenes Hobby, mit dem vor mehr als 40 Jahren alles begann. Dasselbe persönliche Engagement ist im gesamten Unternehmen zu spüren. Überall sehen wir Speichen und Räder, vor allem aber Leidenschaft, Stolz und handwerkliches Können.

Fachkräfte haben Zukunft! Hier zeigt sich jedoch, dass sie mindestens ebenso viel Vergangenheit besitzen.

 

WWS Drahtspeichen hat seinen Sitz in der Eifel im Südwesten Deutschlands und ist über die eigene Website erreichbar.

 

Publiziert:
Sonntag August 23rd, 2026
WWS Drahtspeichen GmbH
24 August, 17:18
Last weekend at the OGP at the Nürburgring, we completely rebuilt a spoked wheel for the attached race car in just a few hours, so that the car could compete in the race again
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