Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Heute ist der Tag der Fotografie. Heutzutage machen wir beinahe gedankenlos Fotos, doch wie dankbar dürfen wir den Fotografen und Filmemachern der Pionierzeit sein. Dank ihnen können wir uns noch immer ein lebendiges Bild von einer Welt machen, die andernfalls weitgehend verloren gegangen wäre. Deshalb gilt heute allen Fotografen von damals und heute unser aufrichtiger Dank.
Die hier gezeigte Fotografie veranschaulicht genau, warum es so wichtig ist, besondere Momente festzuhalten. Zu sehen ist Aloha Wanderwell, die einst als ‘The World’s Most Widely Travelled Girl’ angekündigt wurde. Die Aufnahme entstand 1924 auf Hawaii. Ihr Ford Model T scheint von der Straße abgekommen und im Gebüsch zum Stillstand gekommen zu sein. Wie das Abenteuer ausging, verrät das Foto leider nicht. Das überlassen wir gerne Ihrer Fantasie.
Aloha Wanderwell wurde 1906 als Idris Galcia Hall in Kanada geboren. Ihre bemerkenswerte Lebensgeschichte begann, als sie im Alter von sechzehn Jahren eine Anzeige des selbst ernannten Captain Walter Wanderwell las. Er suchte eine junge Frau für seine Weltreise, die unter anderem als Übersetzerin, Fahrerin und Kamerafrau tätig sein konnte. Idris bewarb sich und brach Ende 1922 von Nizza aus zum Abenteuer ihres Lebens auf.
In mehreren Ford Model T reiste die Wanderwell-Expedition durch Dutzende Länder. Die Automobile wurden per Schiff von Kontinent zu Kontinent transportiert, bevor die Reise auf dem Landweg fortgesetzt wurde. Zwischen Dezember 1922 und Januar 1927 wurde Aloha, wie sie sich später nannte, zur ersten Frau, die selbst mit einem Automobil um die Welt fuhr – eine Leistung, die von Guinness World Records offiziell anerkannt wird.
Mindestens ebenso bedeutend wie die Reise selbst waren jedoch die unterwegs entstandenen Aufnahmen. Mit ihren Kameras hielten die Wanderwells ihre Erlebnisse unter anderem in Afrika, China, Russland und Hawaii fest. Später wurden die Filme bei Vorträgen und Vorführungen auf der ganzen Welt unter dem treffenden Titel Car and Camera Around the World gezeigt.
Auf den erhalten gebliebenen Filmaufnahmen sehen wir Aloha beim Fahren, Filmen und Kartenlesen, beim Entfernen von Steinen unter den Rädern und beim Tanzen mit afrikanischen Gemeinschaften. Wir sehen auch, wie sie sich in den Leiter ihrer Expedition verliebte, den sie 1925 heiratete und mit dem sie zwei Kinder bekam.
Ohne ihre Kameras wären diese außergewöhnlichen Abenteuer kaum mehr als Geschichten geblieben. Dank der Fotografie können wir Aloha auch mehr als ein Jahrhundert später noch immer auf ihrer Reise begleiten – selbst wenn ihr Model T irgendwo auf Hawaii im Gebüsch landet.
Text: Laurens Klein, Foto: Detroit Public Library