Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Dieser Artikel handelt weniger von Autos als vielmehr von einer Autofabrik — und dazu noch von einer, die zu jener Zeit kaum Autos baute. Dennoch ergibt sich daraus eine interessante, wenn auch traurige Geschichte — wie wir finden.
Vielleicht haben Sie von den großen Bränden im GM-Werk in Livonia im Jahr 1953 und in Jaguars Browns Lane-Fabrik 1957 gehört. Aber wussten Sie von der Katastrophe, die die Renault-Fabrik in Billancourt vierzig Jahre zuvor, im Juni 1917, traf? Der Unterschied hier: Es war kein Feuer, das die Tragödie verursachte.
Im Jahr 1917 war Renault ein Industriekonzern, der vollständig in die Kriegsproduktion eingebunden war, vor allem für kleine Panzer. Am Morgen des 13. Juni desselben Jahres ereignete sich in der großen Fabrik in Billancourt bei Paris ein Unglück: Um 10:10 Uhr erschütterte ein explosionsähnliches Geräusch das Gelände, eine Staubwolke stieg auf — Gebäude C4 war eingestürzt. Ursache waren rund hundert Drehbänke von jeweils 7 bis 8 Tonnen, die auf den oberen Etagen installiert waren. Feuerwehr und Militär trafen schnell ein. Bis zum Nachmittag waren 19 Leichen geborgen, bis zum Abend stieg die Zahl der Toten auf 26, darunter zwei Frauen und ein 13-jähriger Lehrling namens Eugène Blary.
Die französische Nation, ohnehin durch den Krieg betäubt, war tief erschüttert. Bei der öffentlichen Trauerfeier am 18. Juni versammelten sich nicht weniger als 30.000 Menschen, darunter der französische Präsident Poincaré und Louis Renault persönlich. Eine langwierige gerichtliche Untersuchung folgte. Berichte wiesen auf mangelhafte Instandhaltung, ignorierte Warnzeichen und gefährliche Überlastung der Maschinen hin. Die Schuld wurde schließlich zwischen dem Bauunternehmer — wegen minderwertiger Materialien — und Renault — wegen Überschreitung der Belastungsgrenzen — geteilt. Nach zwölf (!) Jahren Untersuchung entschied das Gericht 1929, dass niemand rechtlich verantwortlich gemacht würde.
Heute erinnert an der Adresse 58 Avenue Émile Zola nichts mehr an das Unglück. Doch auf dem Friedhof an der Avenue Pierre Grenier ehren die Gräber der Renault-Arbeiter — darunter des jungen Eugène Blary — still die zu früh verlorenen Leben dieser großen industriellen Tragödie.
Text: Jeroen Booij
Fotos: La Contemporaine, Bibliothèque Nationale de France