Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Es ist ein grauer Märzmorgen auf einem englischen Industrieareal. Die Sonne zeigt sich gelegentlich, doch die Straßen sind matschig und von Baumaterialien übersät. Am Ende eines Weges, neben einer langen Reihe von Schiffscontainern, liegt unser Ziel: Blockley Tyres Ltd. Noch bevor wir aus dem Auto steigen, kommt uns ein energiegeladener Mann um die Sechzig entgegen – dies ist das Reich von Julian Majzub.
Den meisten Lesern von PreWarCar.com ist Julian längst ein Begriff. Sei es durch seine beeindruckende Autosammlung, seinen kompromisslosen Fahrstil auf der Rennstrecke oder seine pointierten Ansichten zu technischen Themen – sein Name genießt einen gewissen Kultstatus. Und selbst wenn man ihn nicht kennt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man schon einmal mit seinen Reifen in Berührung gekommen ist: Blockley Tyres.
Julian Majzub ist ein unkonventioneller Mensch mit beeindruckendem technischem Wissen. Geboren mit persischen, englischen und irischen Wurzeln, absolvierte er seine Ingenieursausbildung im Vereinigten Königreich, wo er seit der iranischen Revolution lebt. Seine einzigartige Kombination aus Fachkompetenz und Durchsetzungsvermögen hat ihn zu zahlreichen Projekten geführt: Als er einen neuen Kurbeltrieb für seinen 4½-Liter Bentley brauchte, war er mit den verfügbaren Ersatzteilen unzufrieden. Also entwarf er kurzerhand einen eigenen – und verkaufte davon inzwischen über 50 Stück. Dasselbe galt später auch für Reifen.
Während eines Rennens mit seinem Bugatti T35B stellte er fest, dass die verfügbaren Reifen nicht seinen Ansprüchen genügten – minderwertige Qualität bei überhöhten Preisen. Er wollte etwas Authentisches, sowohl technisch als auch optisch. Also entschloss er sich, eigene Reifen zu entwickeln und zu produzieren. Mit Erfolg: Kurz darauf gewann er das Rennen in Monaco. Doch während er nur vier, maximal acht Reifen benötigte, war die Mindestproduktionsmenge eintausend Stück. Mit 996 Reifen zu viel blieb ihm nichts anderes übrig, als sie zu verkaufen – und so entstand Blockley Tyres.
Sein Erfolg blieb nicht unbemerkt – und die Konkurrenz versuchte, ihn aus dem Markt zu drängen. Doch Julian wäre nicht Julian, wenn ihn das nicht erst recht anspornen würde, das Gegenteil zu tun. Er begann, noch mehr Reifen zu produzieren und zu vertreiben. Anfangs nur für die Größen seiner eigenen Fahrzeuge, doch bald kamen auch Freunde mit Anfragen. Heute bietet Blockley rund 60 verschiedene Reifengrößen an – von den frühesten Formaten bis hin zu Nachkriegsmodellen.
Der Vertrieb läuft fast ausschließlich direkt – über die Website oder auf Veranstaltungen wie der Salon Rétromobile. Zwar gibt es einige wenige Zwischenhändler, doch Julian bevorzugt es, selbst die Kontrolle zu behalten.
Sein Ruf ist eng mit Rennreifen verbunden, vermutlich, weil er selbst so viel fährt. Doch laut ihm produziert Blockley ausschließlich Straßenreifen – allerdings mit verstärkten Seitenwänden und Hochgeschwindigkeitsfreigabe, denn Kompromisse bei der Qualität sind für ihn ausgeschlossen.
Julian Majzubs Qualitätsanspruch zeigt sich in jedem Detail. Während unserer Besichtigung seines Lagers – gesäumt von Rennfotos, nostalgischer Werbung und natürlich Reifenstapeln – zeigt er uns eine Sammlung von Konkurrenzprodukten. Er nennt sie unverblümt „Müll“. Er kauft sie gezielt, um ihre Schwächen zu analysieren und die Qualität seiner eigenen Produkte abzusichern. Im Laufe der Jahre hat er auch Archive historischer Reifenhersteller zusammengetragen – immer auf der Suche nach verlorenem Wissen.
Für die Produktion seiner Reifen arbeitet er ausschließlich mit den besten Fabriken – egal, wo auf der Welt sie sich befinden. Sein Ziel ist simpel: hochwertige Reifen fertigen, selbst wenn die Gewinnmarge gering bleibt. Denn aus seiner Sicht machen es die meisten Hersteller genau andersherum – sie optimieren auf Profit statt auf Qualität. So verwendet Blockley zum Beispiel Butyl-Kautschuk für die Schläuche – teurer, aber deutlich besser als herkömmliche Alternativen.
Heute verfügt Blockley über einen riesigen Lagerbestand – mit Containern voller Reifen, darunter auch eine wachsende Auswahl an Radialreifen. Julians Marketingstrategie ist dabei so schlicht wie mutig: Er ist so überzeugt von der Qualität seiner Produkte, dass er eine vollständige Rückerstattung anbietet, falls ein Kunde nach 1.000 gefahrenen Meilen nicht zufrieden ist. Allerdings empfiehlt er – wie bei allen Reifen – zunächst rund 50 Kilometer „einzufahren“, bevor man sich ein Urteil bildet.
Unser Besuch ist ebenso informativ wie inspirierend. Wir lernen nicht nur viel über Reifen und Materialien, sondern auch über Julians umfangreiches Automobilwissen. Er ist ohne Zweifel ein echter Enthusiast. Während wir uns unterhalten, trifft eine Spedition ein – mit einem Palettentransport zweier Differentiale für seinen Adler. Kurz darauf zeigt er uns stolz einige seiner Fahrzeuge – natürlich alle ausgestattet mit Blockley-Reifen.