Filter

Vauxhalls Neuer Renner: der 3-Liter, den die Zeit vergaß

Die meisten Fahrzeuge, die für einen einzigen Zweck gebaut wurden, geraten schnell in Vergessenheit. Dieser Vauxhall von 1922 hätte leicht im Graben des vergeblichen Scheiterns enden können – das unerfüllte Kind einer kurzsichtigen Unternehmensvision. Obwohl er sein ursprüngliches Ziel nie erreichte, triumphierte diese totgeborene Grand-Prix-Maschine trotz anfänglicher Rückschläge.


Bis 1922 hatte sich Vauxhall Motors einen Ruf für Raffinesse erworben und erzielte mit Straßenfahrzeugen sichere Gewinne. Im Rennsport hatte das Unternehmen bereits vor dem Ersten Weltkrieg mit den bahntauglichen Prince Henry- und 30/98-Modellen beachtliche Erfolge erzielt. Ihre Zuverlässigkeit sicherte ihnen einen festen Platz bei Zuverlässigkeitsfahrten und Bergrennen. Doch der neue 3-Liter von 1922 bedeutete einen radikalen Wandel. Vauxhalls purpurroter Renner entfernte sich von seinen luxuriösen Vorgängern. Ursprünglich für den Grand Prix von 1921 konzipiert, setzte Vauxhalls neuer Rennwagen auf Innovation statt Konvention.

Der Motorenforscher und Konstrukteur Sir Harry Ricardo wurde von Vauxhall-Direktor Percy Kinder beauftragt, ein revolutionäres Herzstück für diese Maschine zu entwickeln. Ricardo entschied sich für einen aufgeladenen Vierzylindermotor. Sein 16-Ventil-Triebwerk für Vauxhalls Vollblut drehte bis 4.500 U/min und leistete 129 PS. Statistisch gesehen gehörte Vauxhalls 3-Liter-Motor zu den modernsten seiner Zeit, mit Aluminiumblock, sechs Kugellager-Hauptlagern und Bronzezylinderköpfen.


Eine weitere bemerkenswerte Verbesserung fand sich im Bremssystem. Anstelle herkömmlicher Seil- oder Gestängebetätigung kam ein von Westinghouse entwickeltes Druckluftsystem zum Einsatz, das bei Bedarf alle vier Räder bremsen konnte. Ricardo und Fahrwerkskonstrukteur C.E. King investierten offensichtlich in modernste Technologie, obwohl lange Testphasen erforderlich waren, um deren Zuverlässigkeit zu beweisen. Doch die aufgewendete Entwicklungszeit sollte sich letztlich als kostspielig erweisen.


1922 änderten sich die Grand-Prix-Regularien: Fahrzeuge mit 3 Litern Hubraum wurden zugunsten von 2-Liter-Maschinen ausgeschlossen. Warum Vauxhalls Ingenieure diese bekannte Regeländerung übersehen hatten, bleibt bis heute ein Rätsel. Die Folge: Der technisch überlegene Herausforderer wurde obsolet. Stattdessen setzte Vauxhall drei Wagen beim Isle of Man TT-Rennen 1922 ein, bei dem Osborne Payne den dritten Platz belegte. Später errangen die Fahrzeuge weitere Siege und gewannen im Oktober 1922 mehrere 3-Liter-Meisterschaften in Brooklands. Von den fünf gebauten Exemplaren sind heute vier in verschiedenen Erhaltungszuständen bekannt. Einer der TT-Wagen ist heute im Brooklands Museum in Surrey, England, zu sehen – ein bemerkenswerter Überlebender einer beinahe vergessenen Epoche.

 

Text: Alexander Simmons-Miller

 

Publiziert:
Freitag November 21st, 2025

Kommentar abgeben...


Melden Sie sich an, um Ihre Reaktion direkt zu veröffentlichen

Bilder zu Ihrer Reaktion hochladen