Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Bei einer Auktion kaufte ich ein altes Foto eines Chevrolet H-4 Baby Grand. Es schien zunächst unspektakulär, doch ein interessantes Detail fiel mir auf – ein Emblem des Sankt Petersburger (früher Petrograder) Automobilclubs am Kühlergrill. Der Besitzer des Autos ist unbekannt, aber ich konnte den Aufnahmeort identifizieren. Dieser Fund veranlasste mich, die Geschichte amerikanischer Autos in Russland zu erforschen, neue Informationen zu finden und einige weit verbreitete Irrtümer zu widerlegen.
Die ersten amerikanischen Autos in Russland
Der russische Automobilmarkt wurde zunächst von deutschen Herstellern dominiert, gefolgt von französischen und belgischen Unternehmen. Amerikanische Hersteller versuchten später, auf dem noch kleinen, aber vielversprechenden Markt Fuß zu fassen – mit wechselndem Erfolg. Marken wie Rambler, Northern und Winton verkauften nur wenige Fahrzeuge, während Cadillac und Locomobile jeweils rund zwei Dutzend Autos absetzten. Die größte Erfolgsgeschichte schrieb jedoch Olds Motor Works. Das berühmte Modell Curved Dash (1901–1907) war zeitweise allgegenwärtig auf russischen Straßen. 1905 gab es allein in Moskau 38 dieser Autos bei insgesamt 114 motorisierten Fahrzeugen. Einige wurden unter dem Namen Duxmobil sogar lokal montiert.
Ford gewann nach und nach Marktanteile, doch die amerikanische Vorherrschaft währte nur kurz. Bereits 1910 sanken die Importe aus den USA auf 3 % des Gesamtmarktes, nachdem sie 1906 noch 9 % betragen hatten. 1913 stieg der Anteil leicht auf 4 %, hauptsächlich dank Ford. Andere amerikanische Hersteller wie Buick, Case, Studebaker und Overland versuchten ebenfalls, sich zu etablieren, jedoch mit begrenztem Erfolg. Amerikanische Unternehmen setzten auf preiswerte Fahrzeuge, um Käufer anzulocken, doch die europäische Konkurrenz war zu stark.
Der Mythos von Chevrolet in Russland
Ein weitverbreiteter Mythos besagt, dass Chevrolet bereits 1911 mit dem Modell T-90 nach Russland exportierte. Diese Behauptung taucht in der russischen Wikipedia auf und wird von vielen Journalisten und Bloggern ungeprüft übernommen. Doch Chevrolet wurde erst am 3. November 1910 gegründet – ein Export nach Russland im darauffolgenden Jahr erscheint daher höchst unwahrscheinlich. Trotz intensiver Recherche fand ich keinerlei Belege für diese Behauptung. In seriösen Quellen, darunter die englische und deutsche Wikipedia, fehlt jeglicher Hinweis auf frühe Exporte nach Russland. Auch in russischen Kfz-Registern von 1911 bis 1913 gibt es keinen einzigen Chevrolet, ebenso wenig in den Mobilisierungslisten des Ersten Weltkriegs.
Der tatsächliche Markteintritt von Chevrolet
Die erste nachweisbare Erwähnung von Chevrolet in Russland findet sich im Magazin Avtomobil (Ausgaben Nr. 13 und 14) vom Juli 1914. Eine Anzeige zeigt eine Chevrolet H-4 Baby Grand mit Vierzylindermotor, nennt jedoch keinen Importeur, sondern lediglich eine Adresse in Sankt Petersburg (Alexandrinskaya Square 5).
In den Jahren 1915–1916 erschienen einige Verkaufsanzeigen, die Chevrolet in Verbindung mit einer Werkstatt (Chevrolet Garage) und einem Geschäft (Chevrolet Store) brachten. Diese verkauften jedoch auch andere Marken wie Opel, Cadillac und Hupmobile. Die dahinterstehende Handelsgesellschaft war vermutlich Citron & Co., geführt von Isidor Citron. Es scheint jedoch, dass Citron kein offizieller Importeur war, sondern lediglich einzelne Fahrzeuge weiterverkaufte.
1914 hatte Deutschland den russischen Automobilmarkt mit einem Anteil von 80 % nahezu monopolisiert. Doch der Krieg öffnete den Markt erneut für die USA, da die russische Armee dringend Fahrzeuge benötigte. Chevrolet wurde jedoch von der russischen Regierung nicht bevorzugt. Bis heute gibt es kein einziges bekanntes Foto oder Dokument, das Chevrolet in russischem Militärdienst zeigt – mein Foto ist der einzige bekannte Beleg für die Existenz der Marke in Russland vor der Revolution.
Warum Chevrolet in Russland scheiterte
Nicht alle amerikanischen Autos erfüllten die militärischen Anforderungen. Bereits 1915 empfahl die russische Regierung, keine Fahrzeuge der Marken Studebaker, Ford, Case, Mitchell oder Overland mehr zu kaufen, da sie sich an der Front als unzuverlässig erwiesen hatten. Dennoch wurden viele dieser Autos weiterhin genutzt. Chevrolet hätte möglicherweise eine Chance gehabt, doch es kam nicht dazu – möglicherweise wegen des schlechten Rufs von William Durant, dem Gründer von Chevrolet, und seinem russischen Geschäftspartner.
In der Sowjetunion tauchten Chevrolet-Modelle später in kleinen Stückzahlen wieder auf. Doch wie schon vor dem Ersten Weltkrieg dominierten amerikanische Importe weiterhin Ford. Die Ford Motor Company spielte die entscheidende Rolle bei der Entwicklung der sowjetischen Automobilindustrie – Chevrolet blieb eine Randerscheinung.
Von Stanislav Kiriletz
It's interesting that the H4 is left-hand drive when it could have been ordered right-hand drive for export.
Regards,
Dan O'Day
Director, V.C.C.A. H Model Chapter