Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Hin und wieder taucht eine Maschine aus der Vergangenheit auf, die eher wie Science-Fiction wirkt als wie reale Geschichte. Schlank, extrem und voller Geheimnisse – dieser merkwürdige Einsitzer fiel uns sofort ins Auge, als wir durch die digitalen Bestände der Bibliothèque nationale de France stöberten. Mit seinen polierten Aluminiumformen und seiner beinahe mythischen Entstehungsgeschichte verlangte er nach einer genaueren Betrachtung. Zunächst hatten wir nur eine vage Bildunterschrift: Voiture Panhard Profilée, Pariser Autosalon 1926. Was wir entdeckten, war eine Geschichte über wagemutige Ingenieurskunst, Geschwindigkeitsrekorde – und Tragik.
Es dauerte nicht lange, bis wir herausfanden, dass es sich bei diesem Panhard & Levassor in Wahrheit um ein Rekordfahrzeug handelte, bekannt als Lame de Rasoir – oder auf Deutsch: Rasierklinge. Ein Name, der ihm, wie Sie sicher zustimmen werden, außerordentlich gut steht.
Das Design war in vielerlei Hinsicht messerscharf. Die Sitzposition war höchst unkonventionell – der Fahrer lag eher, als dass er saß, in dem einsitzigen Fahrzeug. Sein Kopf ruhte auf einem kleinen Kissen, und die Sicht nach vorn wurde größtenteils durch die Karosserie versperrt – der Blick auf die Straße dürfte also gelegentlich nur durch ein seitliches Herauslehnen möglich gewesen sein. Auch das Lenkrad war bemerkenswert: groß, speichenlos und umschloss den Oberkörper des Fahrers.
Die markante Karosserie – gefertigt aus poliertem Aluminium und Mahagoniholz – wurde von den Ingenieuren Louis Bionier und Marius Breton entworfen. Sie wurde speziell für Breton gebaut, der auch als Werksfahrer fungierte. Er erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 190,324 km/h in Montlhéry – allerdings mit der etwas weniger spektakulären Zwei-Liter-Version, nicht mit der auffälligen 1,5-Liter-Razor Blade. Diese soll entwickelt worden sein, um die 240-km/h-Marke zu durchbrechen, verfehlte dieses Ziel jedoch knapp. Im Oktober 1926 wurde sie bei offiziellen Messungen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 223 km/h über fünf Meilen gestoppt.
Tragischerweise verunglückte Breton nur wenige Tage später bei hoher Geschwindigkeit tödlich. Er starb noch am Unfallort im Alter von 34 Jahren. Die Straße in Issy-les-Moulineaux, an der sich der Unfall ereignete, trägt bis heute seinen Namen.
Bemerkenswert ist auch, dass das Fahrwerk des Wagens unter Historikern noch immer nicht vollständig geklärt ist. Was man jedoch einigermaßen sicher sagen kann: Der Wagen hatte keine Bremsen an den Rädern – eine bewusste Entscheidung zur Gewichts- und Luftwiderstandsreduzierung. Lediglich an der Antriebswelle soll sich eine Trommelbremse befunden haben – so zumindest die Überlieferung.
Text: Jeroen Booij
Bilder: Bibliothèque nationale de France