Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Die Wahrscheinlichkeit, in Großbritannien einen von vielleicht nur wenigen Dutzend Fiat 508S Balilla zu finden, die von Ghia mit der leichten ‘Coppa d’Oro’-Karosserie eingekleidet wurden, ist nicht besonders groß. Das Auktionshaus RM Sotheby’s bietet bei seiner London Auction am 31. Oktober jedoch nicht nur einen, sondern gleich zwei davon an.
Beim ersten handelt es sich um ein leuchtend rotes Exemplar von 1935, das die ersten rund drei Jahrzehnte seines Lebens in Deutschland verbrachte. Anschließend soll der Wagen nach Japan gelangt sein, bevor er Ende der 1990er-Jahre nach Großbritannien kam. Er wird ohne Mindestpreis angeboten und auf £60.000 bis £90.000 geschätzt. Etwas interessanter – zumindest unserer Ansicht nach – ist das bordeauxrote Exemplar von 1934, das deutlich mehr Patina trägt. Dieser Wagen soll einst an niemand Geringeren als die malaysische Königsfamilie ausgeliefert worden sein. Bis 1938 verblieb er im königlichen Fuhrpark und ging anschließend an den Besitzer des Cathay Cinema, der zugleich Vorsitzender von Malaysia Singapore Airlines war. Um 1970 gelangte der Fiat in den Besitz eines britischen Auswanderers, der ihn bei seiner Rückkehr in die Heimat mitnahm. 1993 wurde das Auto an seinen heutigen Eigentümer verkauft, der es in seinem häufig genutzten und ausgesprochen reizvollen Zustand bewahrte. Zum Wagen gehört ein zusätzlicher Motor; der Schätzpreis entspricht mit £60.000 bis £90.000 dem des anderen Exemplars.
Ein weiteres reizvolles Duo bilden zwei Bentley 3½ Litre, ebenfalls aus den Jahren 1934 und 1935, allerdings mit Karosserien, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Der erste ist ein All-Weather Tourer von Barker aus London, Baujahr 1934. Er ist ausgesprochen attraktiv, trägt eine fantastische Farbkombination und besitzt vollständig versilberte Zierteile. Zu seinen früheren Besitzern gehörten ein Viscount und – viele Jahre später – jemand, der den Bentley angeblich für eine Rallye von Kyoto nach Tokio vorbereiten ließ. Ob er dort tatsächlich an den Start ging, wird nicht erwähnt. Dafür gewann er 2019 bei Salon Privé seine Klasse. Der Schätzpreis von £70.000 bis £100.000 erscheint durchaus angemessen.
Extravagenter ist das Fixed Head Coupé mit Karosserie von Vesters et Neirinck aus dem Jahr 1935. Der belgische Karosseriebauer kleidete seinerzeit mehrere Bentley ein, doch vom 3½ Litre existiert nur ein einziges Exemplar in dieser Ausführung. Je nachdem, aus welchem Winkel man ihn betrachtet – und natürlich abhängig vom persönlichen Geschmack – wirkt er vielleicht ausgesprochen elegant oder in seinen Proportionen etwas eigenwillig. Dass er die Blicke auf sich zieht, steht jedoch außer Frage. Erstbesitzer war ein Brüsseler Finanzier. Der Wagen blieb zunächst in Belgien, bevor er vermutlich in den 1970er-Jahren nach Großbritannien gelangte. Obwohl eine Restaurierung nicht erwähnt wird, sieht er durchaus so aus, als sei er irgendwann einmal restauriert worden. Mit £150.000 bis £250.000 liegt die Schätzung etwa doppelt so hoch wie bei seinem Schwesterwagen von Barker. Ob er deshalb auch unsere erste Wahl wäre...?
Text: Jeroen Booij
Fotos: RM Sotheby’s