Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Nur noch wenige Tage, und Paris atmet wieder Öl, Leder und Geschichte. Der Salon Rétromobile öffnet seine Tore: eine kurze Woche, in der die „Stadt des Lichts“ zum weltweiten Epizentrum der Klassikszene wird. Zwischen den Ständen von Händlern, Clubs und Künstlern finden traditionell auch die großen Auktionen statt. RM Sotheby’s ist dabei seit Jahren eine feste Größe – und in diesem Jahr sticht eine Losgruppe besonders hervor: vier außergewöhnliche Bentleys aus der Sammlung von Peter Godehardt.
Gemeinsam erzählen diese Automobile die Geschichte Bentleys in seiner heroischsten Epoche: den 1920er- und frühen 1930er-Jahren, als die Marke ihren Ruf mit robuster Technik, sportlichem Ehrgeiz und beinahe aristokratischer Ausstrahlung begründete. Godehardt sammelte Bentleys, um sie zu fahren. Und das spürt man in jedem Detail.
Vielleicht der „klassischste“ Bentley des Quartetts. Original ausgeliefert mit seiner Vanden-Plas-Tourer-Karosserie, durchgehend matching numbers und einer dokumentierten Historie bis ins Jahr 1924. Mehrere Besitzer nutzten ihn so, wie er gedacht ist: für weite Reisen. Allein in den 1980er- und 1990er-Jahren legte er über 38.000 Meilen durch ganz Europa und sogar die Vereinigten Staaten zurück.
Dies ist der archetypische Vintage-Bentley: vier Sitzplätze, Stoffpaneele, ein Speed-Model-Chassis und eine Erscheinung, die zugleich sportlich und würdevoll ist. Fahrzeuge wie dieser definieren den Maßstab für eine ganze Generation von Enthusiasten.
Dieses Speed Model basiert auf einem Motor von 1924 und einem von Bentley Works Service neu aufgebauten Chassis. 1969 erhielt es seine elegante Taper-Tail-Karosserie im Stil von Woolf Barnatos legendärem Jarvis-Bentley. Das Ergebnis ist ein Automobil, das visuell direkt auf Le Mans und Brooklands verweist.
Chassis AP325 markiert das Ende der zweiten Serie der 3-Litre-Modelle. Gurney Nutting kleidete den Wagen in eine elegante Weymann-Limousinenkarosserie mit Stoffpaneelen, die leicht und leise waren – modern für ihre Zeit. Nachdem dieser Bentley jahrzehntelang von der Bildfläche verschwunden war, tauchte er 1991 wieder auf. Seitdem wurde er behutsam restauriert und bewahrt sein originales Chassis, den Motor, das Lenkgetriebe und sogar den charakteristischen Smiths-Starter.
In zartgrünem Leder, mit Lucas-„King of the Road“-Scheinwerfern, Gepäckträger und passenden Koffern präsentiert sich hier ein bemerkenswert authentisches Exemplar.
Dies ist vielleicht der eindrucksvollste Ausdruck der Bentley-Philosophie. Der 8-Litre, ursprünglich mit einer Kellner-Karosserie ausgeliefert, wurde nach einem bewegten Leben als sportlicher Tourer im Vanden-Plas-Stil neu geboren. Und er wurde genutzt, wie W.O. Bentley es beabsichtigt hätte: hart und weit.
Innerhalb eines Jahrzehnts legte der Wagen rund 75.000 Meilen zurück, darunter acht Mille Miglias und Reisen durch Argentinien, Südafrika, die Türkei und Indien – oft mit einem zeitgenössischen Eccles-Jacobean-Wohnwagen im Schlepp, ebenfalls Teil dieser Auktion.
Bei Veranstaltungen wie den Classic Days diente dieser Caravan als mobiles Salon für Gespräche und Aperitifs. Eine Kombination, die die Fantasie beflügelt.
Technisch wurde der Wagen im Laufe der Jahre optimiert – unter anderem mit einer Phoenix-Kurbelwelle und geänderten Übersetzungen –, ohne seinen Charakter zu verlieren. In den Händen der Familie Godehardt wurde er intensiv bei Rallyes und Touren durch ganz Europa eingesetzt, inklusive Runden auf der Nürburgring-Nordschleife. Dies ist ein Bentley, der zum Fahren einlädt, nicht zum Stillstehen.
Was diese Auswahl in unseren Augen so besonders macht, ist der Geist dahinter. Dies sind Bentleys, die gelebt haben. Sie wurden nicht gesammelt, um in Stille zu altern, sondern um gefahren zu werden, zu reisen und Erinnerungen zu schaffen. In einer Zeit, in der immer mehr Spitzenklassiker in Klimakammern und privaten Museen verschwinden, setzt diese Sammlung ein bewusstes Gegenzeichen. Wir hoffen, dass die zukünftigen Eigentümer dies verstehen – und ebenso handeln. Denn hier ist überzeugend bewiesen, dass es möglich ist.