Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
Auf den ersten Blick stellt das mysteriöse Auto dieses Montags keine besondere Herausforderung dar. Eindeutig handelt es sich um einen zweitürigen „Flatnose“ Morris Oxford oder Cowley – Modelle, die zwischen 1926 und 1930 in Tausenden verkauft wurden und die auf einer typisch baumgesäumten Vorstadtstraße der Zwischenkriegszeit hervorragend zur Geltung kommen, vermutlich im Middlesex, wenn man an das „MP“-Kennzeichen denkt. Doch an diesem Morris ist etwas, das überhaupt nicht typisch für Morris ist.
Wer hat schon einmal einen Flatnose gesehen, der sportlich wirkende, polierte Aluminium-Vollfelgen trägt? Felgen, die auf den ersten Blick verdächtig denjenigen einer MG zuzugehören scheinen...
Heißt das also, dass wir es hier mit einem frühen Produkt von Morris Garages zu tun haben? Wir würden dem widersprechen. Die ersten MGs zeichneten sich durch spezielle Karosserien mit einem sportlichen Flair aus – beispielsweise mit schräg abfallenden Windschutzscheiben und Paneelen aus poliertem oder maschinell angeläutetem Aluminium. Zwar benutzten die allerersten MGs Varianten des Morris Oxford-Logos, doch das Emblem an diesem Fahrzeug wirkt wie ein schlichtes Morris-Logo.
Das erste MG-Modell, der 14/28, wurde 1924 als sportliche Variante des „Bullnose“ Oxford eingeführt und war in der Super-Sport-Ausführung erhältlich – ausgestattet mit Felgen, die exakt denen entsprechen, die man an diesem Auto als Vollfelgen sieht. Möglicherweise blieben diese Felgen auch verfügbar, als der 14/28 1926 in die Flatnose-Spezifikation überführt wurde, aber alle Flatnose-MGs, die wir gesehen haben, waren mit Speichenfelgen ausgestattet.
Da die ersten MGs kaum mehr waren als Morrises mit spezieller Karosserie und leicht modifiziertem Fahrgestell – und Morris Garages gleichzeitig als Händler für Morris-Fahrzeuge fungierte – liegt die Vermutung nahe, dass man beim Bestellen eines neuen Morris durchaus bestimmte MG-Accessoires spezifizieren konnte, insbesondere wenn es sich um überschüssigen Lagerbestand handelte, wie es bei diesen Vollfelgen offenbar der Fall war (zumindest bis 1927).
Was meint ihr, liebe Leser? Sind wir auf der richtigen Spur? Und wenn dem so ist, bleibt nur noch ein Rätsel: Warum sollte man ein Auto mit sportlichen Felgen bestellen, um dann den Effekt mit solch klobigen, schwer wirkenden Stoßfängern zu zunichtemachen...?
Text: Zack Stiling
Fotos: Stiling Collection