Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Es gibt Lastwagen, es gibt schwere Lastwagen – und dann gibt es den Scammell 100-Tonner. Dieser mechanische Gigant wurde Ende der 1920er-Jahre für Schwertransporte entwickelt, für die zuvor mehrere Dampfzugmaschinen und eine große Mannschaft benötigt worden waren. Lediglich zwei Exemplare entstanden. KD 9168, besser bekannt als ‘Leaping Lena’, kommt nun auf den Markt.
Anlass für seine Entwicklung war der Transport britischer Dampflokomotiven zum Hafen von Liverpool, von wo aus sie an ausländische Kunden verschifft wurden. Der Transport auf der Schiene war nicht immer möglich. Für den Export gebaute Lokomotiven konnten eine abweichende Spurweite besitzen, während auch niedrige Brücken und Tunnel Probleme bereiteten.
Den Transportauftrag hielt Marston Road Services aus der Lightbody Street in Liverpool. Das Unternehmen arbeitete bereits mit Lieutenant Colonel Alfred George Scammell zusammen und bat Scammell Lorries um den Bau eines Fahrzeugs, das Lasten von bis dahin ungekannten Ausmaßen befördern konnte.
Scammell selbst bezeichnete die Fahrzeuge als ‘the world’s biggest lorries’. Der technische Direktor Percy Garibaldi Hugh und Chefkonstrukteur Oliver Danson North sollen lediglich acht Monate benötigt haben, um beide Fahrzeuge zu entwickeln und zu bauen. Auch Ernest Marston soll eng in das Projekt eingebunden gewesen sein. Mit seiner Überzeugung, dass Fahrzeuge mit zahlreichen Rädern das Gewicht besser verteilten und dadurch sowohl die Achslast als auch der Verschleiß der Straßenoberfläche reduziert würden, war er seiner Zeit voraus.
Aus den Werksunterlagen von Scammell geht hervor, dass die Bestellung mit der Nummer 1287 am 23. Mai 1929 angelegt wurde. Der Model Y 100-Tonner mit der Fahrgestellnummer 1428 wurde am 20. Januar 1930 an Marston Road Services ausgeliefert.
Das ursprüngliche Gespann bestand aus der Zugmaschine und einem speziellen 100-Tonnen-Schwerlastanhänger, wie im Video zu sehen ist. Die Zugmaschine stand auf acht riesigen Henley-Reifen und wurde zunächst von einem Siebenliter-Scammell-Benzinmotor mit rund 80 PS angetrieben. Über ein innovatives Vierganggetriebe konnte eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 10 km/h erreicht werden. Der Verbrauch soll bei ungefähr einem Liter pro 300 Meter gelegen haben.
Anfang der 1930er-Jahre wurde der durstige Benzinmotor durch einen Gardner 6LW-Sechszylinder-Dieselmotor ersetzt. Je nach angegebener Spezifikation leistete dieser etwa 105 bis 112 PS. Der Gardner bot eine höhere Zugkraft, einen wesentlich günstigeren Verbrauch und jene legendäre Zuverlässigkeit, die diesen Motor bei britischen Transportunternehmen so beliebt machte.
Was KD 9168 an Geschwindigkeit fehlte, machte er durch seine gewaltige Zugkraft mehr als wett. Im Dienst von Marston Road Services, das später in Edward Box & Co Ltd aufging, transportierte er außergewöhnliche Lasten durch ganz Großbritannien.
So soll der Scammell mehr als hundert Lokomotiven über die Pennines befördert haben. Zu den weiteren Aufträgen gehörten der 35 Tonnen schwere Schiffspropeller der Queen Mary, der von London nach Southampton gebracht werden musste, ein 53 Tonnen schweres Ruder für die Berengaria, der 73 Tonnen schwere Anker eines industriellen Elektromotors sowie zahllose Dampfkessel mit einem Gewicht von jeweils rund 60 Tonnen. Seine schwerste Ladung war möglicherweise ein Transformator von nicht weniger als 170 Tonnen.
Unter hoher Last konnten die Vorderräder des Scammell zu springen beginnen oder sogar den Kontakt zur Fahrbahn verlieren. Dies soll ihm den Spitznamen ‘Leaping Lena’ eingebracht haben.
Nach der Verstaatlichung des britischen Straßengüterverkehrs im Jahr 1949 gelangte KD 9168 zunächst zu British Road Services und anschließend zu Pickfords. Sowohl KD 9168 als auch sein Schwesterfahrzeug BLH 21 trugen die bekannten Pickfords-Farben, bis beide in den 1950er-Jahren außer Dienst gestellt wurden.
Anschließend wurde KD 9168 von Hardwick & Sons gekauft, die ihn erhielten und bei historischen Fahrzeugveranstaltungen präsentierten. In den 1970er-Jahren ging er in den Besitz der Familie Hudson über. Von 1983 bis 2018 war der Scammell im British Commercial Vehicle Museum in Lancashire ausgestellt, wo ihn Tausende Besucher bewundern konnten.
Seit seinem Abschied aus dem Museum wird KD 9168 in einer Halle aufbewahrt und fahrbereit gehalten. Nun wird er erneut angeboten, und zwar bei der öffentlichen Auktion von Brightwells am 18. August. Wer noch eine außergewöhnlich große Lücke in seiner Garage hat, kann sie damit auf einen Schlag füllen!
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