Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
Zwei Fotografien, beide aus dem Jahr 1936, aufgenommen in Milwaukee von dem Fotojournalisten Carl Mydans, der zu jener Zeit für das Magazin Life arbeitete. Sie zeigen Schrottplätze voller alter Autos und Ersatzteile – doch besonders bemerkenswert erscheint, dass sich diese Areale inmitten eines ausgesprochen vorstädtischen Umfelds befanden.
Wissen wir mehr darüber? Ja. Die erste Aufnahme ist eindeutig als an der Adresse 1535 N. 10th Street in Milwaukee entstanden gekennzeichnet. Zudem konnten wir feststellen, dass dieser Ort in seiner ursprünglichen Form nicht mehr existiert: Er wurde in den 1960er-Jahren im Zuge von Stadterneuerungsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Bau der Interstate abgerissen. Zuvor war das Viertel als deutsches Brauereigebiet bekannt, mit mehreren nahegelegenen Brauereien, die größtenteils von deutschen Einwanderern gegründet worden waren. Der genaue Standort der zweiten Fotografie ist weniger präzise beschrieben, soll sich jedoch „nördlich und westlich der Joseph Schlitz Brewing Company“ befunden haben.
Das ist interessant. Die Eigentümer von Schlitz, die Familie Uihlein, lebten gleich um die Ecke in einem nahezu neogotischen Herrenhaus – einem Gebäude, das problemlos in The Addams Family hätte auftreten können. Und mindestens ein Mitglied der Familie Uihlein war ein leidenschaftlicher Automobilenthusiast, der sogar seinen eigenen Renn-Special baute. Dabei handelte es sich um David Uihlein, „der zahlreiche bedeutende Rennwagen restaurierte, von Indy-500-Siegern bis hin zu einem Sportwagen-Special, das seinen Namen trug. Zudem war er Gründer des Harry A. Miller Club.“ Eine weitere Facette der Geschichte: Seine Ehefrau war die Tochter des Automobilpioniers und Vergaserherstellers George Holley.
So mögen diese Schrottplätze für die Besitzer der umliegenden Villen, darunter die Uihleins, als Schandfleck erschienen sein – der klassische „Not in my backyard“-Reflex –, zugleich könnten sie für David Uihlein eine durchaus praktische Quelle bei der Suche nach Ersatzteilen für seinen Special dargestellt haben.
Text: Jeroen Booij; Bild: Carl Mydans / Library of Congress