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Ist dies die „Slug“? Der Bentley, der seinen Rekordversuch nie vollenden konnte

Wer sich in der Welt der Vorkriegs-Bentleys auskennt, kennt sicherlich den Barnato-Hassan Bentley 8-Litre Special, der von Millionär Woolf Barnato in Auftrag gegeben und von Bentley-Ingenieur Walter „Wally“ Hassan für Rekordfahrten auf der Rennstrecke von Brooklands entwickelt wurde. Wer noch tiefer in der Materie steckt, hat möglicherweise auch vom Pacey-Hassan Bentley 4½-Litre Special gehört, der für Barnatos Renngefährten Bill Pacey gebaut wurde. Doch haben Sie jemals von einem weiteren Bentley-Rekordwagen gehört, der eng mit Hassan verbunden war und den Spitznamen „Slug“ trug? Wahrscheinlich nicht, denn dessen Rekordversuch endete dramatisch und kostete Hassan beinahe das Leben.

 

Als Zwanzigjähriger bereitete Wally Hassan einen einsitzigen Bentley 3-Litre für einen 24-Stunden-Rekordversuch in Montlhéry vor. Das Fahrzeug schlug sich hervorragend und absolvierte die Distanz mit einem Durchschnitt von mehr als 95 mph ohne technische Probleme. Das war im Jahr 1925. Bentley erkannte offenbar den Werbewert solcher Rekorde und startete im darauffolgenden Jahr einen neuen Versuch mit einem einsitzigen Bentley – möglicherweise demselben Fahrzeug in überarbeiteter Form –, der inzwischen als „Slug“ bekannt war. Ziel war es, als Erster einen 24-Stunden-Rekord mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 100 mph aufzustellen.

Als Fahrer waren erneut Woolf Barnato und diesmal George Duller vorgesehen. Nach unseren Recherchen hatte Barnato bereits mehr als 1.000 Meilen zurückgelegt, als Duller das Steuer übernahm. Kurz darauf geriet er jedoch auf der Steilkurve ins Schleudern. Ein zeitgenössischer Bericht schildert die Ereignisse wie folgt: „Erschüttert fuhr er an die Box zurück, um Barnato wieder ans Steuer zu lassen, doch dieser war gerade essen gegangen. Nur der junge Walter Hassan war noch vor Ort. Um den Rekordversuch zu retten, sprang Hassan kurzerhand ins Cockpit und fuhr los. Nach kaum einem Drittel einer Runde sorgte das tückische Fahrverhalten der ‚Slug‘ dafür, dass der Wagen durch die Streckenbegrenzung schoss. Das Fahrzeug überschlug sich und kam über einem Graben zum Stillstand, während Hassan offenbar tot darin lag. Der Wagen war ein Totalschaden, und selbst bei einem Erfolg wäre der Rekord nie offiziell anerkannt worden, da Hassan nicht als Fahrer nominiert war. Nach drei Wochen in einem Privatzimmer des American Hospital in Paris erholte er sich vollständig. Dass das Krankenhaus keine Bezahlung für seine Behandlung akzeptieren wollte, soll selbst den als äußerst geschäftstüchtig bekannten W.O. Bentley beeindruckt haben.“

 

Erstaunlicherweise scheint diese Geschichte heute kaum bekannt zu sein. Auch wir waren bislang nie darauf gestoßen, bis dieses Foto auftauchte – mit der knappen Information, es zeige einen Bentley Special, der in Montlhéry verunglückt war. Betrachtet man die Form der Karosserie, lässt sich leicht nachvollziehen, wie der Wagen zu seinem Spitznamen „Slug“ kam. Es muss sich beinahe zwangsläufig um genau dieses Fahrzeug handeln. Umso bemerkenswerter ist es, wie wenig über den Wagen bekannt zu sein scheint. Es muss doch weitere Fotografien geben?

 

Text: Jeroen Booij, Foto mit freundlicher Genehmigung von Michael Cushing

 

Publiziert:
Mittwoch Juni 24th, 2026
John Murch
24 Juni, 08:03
There is a lot more information and a number of photographs in ‘The History of Bentley Motors’ by Clare Hay.
The car did set a world 12hr record for under 3ltr cars at 100.96mph and did lap the circuit at 108mph.
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