Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Es gibt für alles eine „Weltneuheit“. Und auch wenn wir uns nicht an das längst durchdiskutierte Thema des ersten Autos der Welt wagen wollen, stoßen wir immer wieder auf interessante Unterkategorien – die ebenfalls reichlich Stoff für Diskussionen bieten. Vom ersten V8-Motor über den ersten Lkw mit Allradantrieb, den ersten Omnibus bis hin zum ersten Sammlerauto: Die Liste ist lang und umstritten.
Jetzt wird es noch spezieller – eine Sub-Subkategorie, die die Meinungen aus ganz anderen Gründen spalten dürfte. Der hier gezeigte Tourenwagen soll nämlich das erste Auto sein, das jemals in einem pornografischen Film zu sehen war. Falls das nicht deinem Geschmack entspricht, tut es uns leid – aber da das Auto sehr prominent im Film vorkommt, halten wir eine Erwähnung hier für gerechtfertigt, auch wenn das Thema heikel ist.
Der Film trägt den Titel A Free Ride und soll 1915 erschienen sein – offenbar unter größter Geheimhaltung, wenn man sich die Angaben zu den Machern ansieht: Als Regisseur wird „A. Wise Guy“ genannt, Kameramann war „Will B. Hard“, die Titel stammen von „Will She“ und die Darstellerinnen firmieren unter dem Namen „The Jazz Girls“. Die Handlung? Ein Mann mit Schnurrbart fährt mit seinem Roadster übers Land, trifft auf zwei Frauen, bietet ihnen eine Mitfahrt an – und der Rest, nun ja… den ersparen wir uns an dieser Stelle.
Widmen wir uns lieber dem Auto selbst. Die gut informierte Website IMCDB.com (Internet Movie Car Database) führt das Fahrzeug als Stutz Bearcat – was jedoch wenig plausibel erscheint. Mehrere Autoexperten dort merken außerdem an, dass das Fahrzeug nicht wie ein Modell von 1915 aussieht, sondern eher um 1920 einzuordnen wäre.
Jason Torchinsky von Jalopnik hingegen vermutet, dass es sich um einen Haynes 50-60 Model Y Touring Car von 1912 handelt – was durchaus zutreffen könnte. Er schreibt:
„Elwood Haynes, der Gründer der Haynes Automobile Company, wurde streng presbyterianisch erzogen, war von 1919 bis 1921 Präsident der YMCA und ein überzeugter Befürworter der Prohibition. Ob er jemals erfahren hat, dass eines der Autos mit seinem Namen in einem Film über ein wildes Dreierabenteuer im Wald zu sehen war, ist nicht bekannt – aber man kann wohl sicher sagen, dass es ihm ganz und gar nicht gefallen hätte.“
Bemerkenswert: Der Wagen ist rechtsgesteuert. Was bleibt da noch zu sagen?
Text: Jeroen Booij