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Der „Chariot of Fire“: ein literarisches Automobil zum World Book Day

Mit Blick auf den World Book Day (ja, genau – heute) dachten wir an dieses Foto eines frühen Automobils, das in Henry James’ Kurzgeschichte von 1909, „The Velvet Glove“, eine Rolle spielt – eine satirische Erzählung über den Konflikt zwischen hoher Kunst und kommerziellem Erfolg, die oft als eine Art „Insiderwitz“ zwischen James und seiner Freundin sowie Schriftstellerkollegin Edith Wharton gilt.

 

Die Geschichte folgt John Berridge, einem erfolgreichen Autor, der sich selbst zur literarischen Elite zählt und eine glamouröse Gesellschaft in einem Atelier in Paris besucht. Dort begegnet er einer faszinierenden Dame der besseren Gesellschaft, die lediglich als „die Prinzessin“ bekannt ist. Berridge ist von ihr bezaubert, stellt jedoch fest, dass sie unter einem Pseudonym einen eher seichten Roman verfasst hat und ihn bittet, ein Vorwort zu schreiben, um den Verkauf anzukurbeln. Das Automobil spielt eine zentrale Rolle im Höhepunkt der Handlung: Während einer nächtlichen Fahrt durch Paris dient es als intimer Raum, in dem sie versucht, ihn dazu zu verführen, ihr Buch zu unterstützen.

 

Das Spannende daran ist, dass die Figur der Prinzessin bekanntermaßen von Edith Wharton inspiriert wurde, die James tatsächlich einmal bat, ein Vorwort zu ihren populären Werken zu schreiben, um ein größeres Publikum zu erreichen. James, der hohe Kunst über kommerziellen Erfolg stellte, empfand diese Bitte als vulgär, aber zugleich amüsant. Doch mehr noch: Wharton war eine begeisterte Automobilistin mit einer Vorliebe für moderne Technik. Die Pariser Fahrt in The Velvet Glove geht auf eine reale Reise durch Frankreich im Jahr 1907 zurück, bei der James in Whartons Auto mitfuhr. Er war fasziniert von dem, was er als die „high-speed world of Wharton’s automobile“ beschrieb. Er gab dem Wagen den Spitznamen „Chariot of Fire“ und bezeichnete ihn außerdem als „mobile chamber“ sowie als „deep-cushioned force of nature“.

Es handelte sich um einen Panhard & Levassor 15 hp, ausgestattet mit geschlossener Karosserie und elektrischer Beleuchtung, eigens für Touren in Frankreich. Leider scheint dieses Fahrzeug nicht erhalten geblieben zu sein. Wharton soll es nach ihrer Reise im Jahr 1907 in Frankreich zurückgelassen haben. Vielleicht taucht es eines Tages wieder auf – wer weiß.

 

Text: Jeroen Booij; Bild: The Berkshire Eagle

 

Publiziert:
Donnerstag April 23rd, 2026

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