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Versteckt in aller Öffentlichkeit: Viottis vergessenes Meisterwerk

„Was ist das?“, mag man sich fragen – wie es schon viele getan haben. Die säulenlose, strömungsgünstige Karosserie und der schmale Fischgrät-Kühlergrill erinnern an kaum ein bekanntes Modell. Und doch ist das Chassis wohlbekannt: Es handelt sich um einen Lancia Aprilia. Da die Serienmodelle der Aprilia mit selbsttragender Karosserie gebaut wurden, vergisst man leicht, dass einige Exemplare als Fahrgestell ausgeliefert und von Hand karossiert wurden. Ab März 1937 begann Lancia, sogenannte Rolling Chassis zu fertigen, um sie für Sonderaufbauten bereitzustellen – wie dieses spätere Modell von 1938, eine Einzelanfertigung aus dem Hause Viotti.

Viotti hatte zahlreiche Aprilia-Fahrgestelle verarbeitet und bot insgesamt fünf Katalog-Karosserien an – zwei Limousinen und drei Cabriolets. Doch dieses Fahrzeug entstand exklusiv für den Lancia-Händler Ghiara & Co in Genua.

 

Die Ära des Stromliniendesigns war damals in vollem Gange – maßgeblich mitgeprägt von Graf Mario Revelli di Beaumont, einem gefragten Stilisten, der unter anderem für Fiat, Pinin Farina, Viotti und Bertone arbeitete. Seit 1934 war er Chefdesigner bei Viotti – und sein Einfluss auf diese Aprilia ist unverkennbar.

 

Wer der erste Besitzer war, bleibt ein Rätsel. Sicher ist nur: Es muss jemand gewesen sein, der den Nerv der Zeit spürte und sich gerne am Puls der Moderne bewegte. Die Frühgeschichte des Wagens liegt im Dunkeln – bis er vor einigen Jahren in Spanien aufgefunden wurde, dem Verfall preisgegeben. Heute, nach einem Jahrzehnt intensiver Restaurierung, ist er in altem Glanz zurück. Francisco Carrión Cárdenas nimmt dieses einzigartige Exemplar im Juni-Heft von The Automobile, das jetzt im Handel erhältlich ist, bis ins Detail unter die Lupe.

 

Text: Zack Stiling
Fotos: Unai Ona

 

Publiziert:
Mittwoch Juni 4th, 2025

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