Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Nicht alles, was im weltweiten Netz verbreitet wird, ist wahr – doch als wir dieses Foto sahen, mussten wir uns doch etwas am Kopf kratzen. Es handelt sich um einen Rolls-Royce Wraith – schon für sich genommen eine Seltenheit – aber was unsere Aufmerksamkeit wirklich erregte, war die begleitende Information: Dieses Auto soll 1939 vom NS-Minister Joachim von Ribbentrop an den sowjetischen Premier Wjatscheslaw Molotow verschenkt worden sein. Richtig, die Unterzeichner des Molotow–Ribbentrop-Pakts, der Hitler im selben Jahr grünes Licht für den Einmarsch in Polen gab. Lassen Sie das kurz sacken, bevor Sie unten kommentieren.
Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist, ob das wirklich wahr sein kann – und wir glauben eher nicht. Beginnen wir mit dem Rolls-Royce selbst. Er trägt eine elegante Coupé-Karosserie von Erdmann & Rossi. Der Berliner Karosseriebauer soll zwei davon gebaut haben, von denen einer auf der Berliner Automobilausstellung 1939 gezeigt wurde.
Rolls-Royce-Historiker beeilen sich hinzuzufügen, dass es keine mögliche Verbindung zu von Ribbentrop oder Molotow geben kann, da die beiden Wraiths mit Erdmann-&-Rossi-Aufbau jeweils an einen Adligen namens Michael von Althan aus Schlesien – einer Region, die sich über Polen, Böhmen und Deutschland erstreckt – und an einen Herrn Doberg der Firma Lindemann KG in Deutschland gingen. Weitere Informationen wären sehr willkommen.
Und sehen Sie sich dieses Kennzeichen an. Ist es russisch? Wir dachten, das könnte gut sein. Die plausibelste Erklärung, die wir fanden, ist, dass der Wagen nach dem Krieg als Kriegsbeute in die Hände der UdSSR fiel. Manche sagen, Molotow habe ihn nach dem Krieg benutzt, doch es werden auch andere russische Besitzer genannt – mit zweifelhafter Glaubwürdigkeit: der Geistliche Alexy I. von Moskau und Nikolai Baranow, Chefarchitekt von Leningrad. Nur Gerüchte – oder steckt mehr dahinter?
Obwohl das Bild historisch wirkt, ist es vielleicht nicht so alt, wie man denkt. Nach Russland soll der Rolls-Royce in den 1950er-Jahren nach Estland und später nach Lettland gelangt sein. Wir fanden weitere Fotos aus den frühen 1970er-Jahren, vermutlich aus seiner estnischen Zeit – achten Sie auf das Kennzeichen und die profilierten Reifen! Auch die Gebäude im Hintergrund des ersten Schwarz-Weiß-Fotos könnten aus dieser Zeit stammen... Was meinen Sie?
Text: Jeroen Booij; Fotos: Archiv, eag.vanatehnika.ee
There was a National Socialist model enterprise: Wilhelm Lindemann KG Westphalian Margarine Factory Doberg near Bünde/Westphalia
Source: German Historical Museum, Berlin