Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
Als wir diese Bilder sahen, hätten wir beinahe unseren Kaffee über den Bildschirm gespuckt. Was um alles in der Welt war das..? Nun, das Auto ist ein Hispano-Suiza – den übersieht man kaum – doch es lohnt sich, ihn in den richtigen Kontext einzuordnen, denn er wirkt völlig anders als alles, was wir bislang gesehen haben. Offensichtlich wurde er auf einem Concours d’élégance fotografiert, jedoch – den Fahrzeugen im Hintergrund nach zu urteilen – nicht auf einem der 1920er- oder 1930er-Jahre. Der Talbot Lago T26 hinter dem Hispano stammt aus den späten 1940er-Jahren.
Wir fanden heraus, dass die Karosserie vermutlich von Million-Guiet aus Paris stammt und es sich wahrscheinlich um ein 32-PS-Modell H6B mit seinem Sechsliter-Reihensechszylinder handelt. Million-Guiet war ein äußerst produktiver Karosseriebauer, und die Anzahl der von ihm eingekleideten Hispano-Suizas ist beachtlich – darunter zahlreiche H6B in unterschiedlichsten Ausführungen. Letztlich war es das Kennzeichen 282-RE3, das die entscheidenden Hinweise lieferte – und das Ergebnis überraschte uns!
Meine Damen und Herren, dies ist jener äußerst traurige Wagen aus der Baillon-Sammlung. Ja, genau jener rostige Koloss, der vor elf Jahren für sagenhafte 572.160 Euro versteigert wurde. Das Auktionshaus Artcurial erläuterte das Kennzeichen im Verkaufstext von 2015, und so erfuhren wir, dass der Verantwortliche für diese Transformation der sechste Besitzer war: der ehemalige Radrennfahrer Henri Bréau. Aus dem Katalogtext: “Inspiriert von den Nachkriegskreationen einiger französischer Karosseriebauer wie Saoutchik begann Bréau, sein Cabriolet zu individualisieren, indem er nach und nach immer mehr Zubehör hinzufügte. Es begann mit einem Steinschlagschutz für den Kühlergrill, gefolgt von Radkappen, Radmuttern, Kotflügelverbreiterungen, zusätzlichen Leuchten, Scheinwerferhalterungen, Flügelspitzen… Der Hispano verwandelte sich allmählich in ein ‚Zirkusauto‘, das nicht unbedingt dem besten Geschmack entsprach. Dennoch war Henri Bréau sehr stolz auf seinen Wagen und präsentierte ihn im Juni 1949 beim Concours d’élégance in Enghien-les-Bains.”
Dort dürften auch diese Fotos entstanden sein – vielen Dank! Bréau verkaufte den Wagen 1955, und schließlich gelangte er – ohne die Tonnen an zusätzlichem Zierrat – 1967 in den Besitz von Roger Baillon. Dort, im Château Gaillard bei Niort im Westen Frankreichs, verfiel das Fahrzeug, bevor es später „wiederentdeckt“ und verkauft wurde.
Wo befindet es sich heute?
Text: Jeroen Booij
Bilder: Jules Heumann / Artcurial