Filter

Ein Phantom mit Vergangenheit: Die Lebensgeschichte des Chassis 3BT187

Wenn dieses Auto sprechen könnte… Ein oft gehörter Satz – doch bei dem Rolls-Royce Phantom III mit der Fahrgestellnummer 3BT187 scheint er fast Wirklichkeit zu werden. Dieses Fahrzeug erzählt eine außergewöhnliche Geschichte, die die bewegten 1930er-Jahre, den Krieg und die Nachkriegszeit Europas umfasst.

 

1937 wurde das fahrbereite Chassis über den niederländischen Rolls-Royce-Importeur Grund & Co an Jonkheer Johannes A.G. Sandberg aus Wassenaar geliefert, einen begeisterten Liebhaber der Marke. Bemerkenswert ist, dass er den Wagen in Deutschland bei Voll & Ruhrbeck in Berlin karossieren ließ – einem Betrieb, bei dem er bereits Kunde war. Eine ungewöhnliche Entscheidung in einer Zeit politischer Spannungen.

Die Spezifikationen wichen vom Standardmodell ab: Rolls-Royce lieferte den Phantom mit unlackierten Aluminium-Radabdeckungen, einer Motorhaube mit nach hinten geneigten Lamellen und Aluminium-Zierleisten. Voll & Ruhrbeck fertigte daraufhin eine elegante viertürige Cabriolet-Karosserie mit metrischen Instrumenten – eine Seltenheit für ein britisches Fahrzeug. Im Juli 1939 wurden bei Rolls-Royce noch Teile bestellt, was darauf hindeutet, dass der Wagen kurz darauf fertiggestellt wurde. Doch die Welt stand vor dem Umbruch: Im September fiel die Wehrmacht in Polen ein, im Mai 1940 folgte die Niederlande. Ob Sandberg seinen Rolls je gesehen oder gefahren hat, bleibt ungewiss.

 

Bekannt ist, dass der Wagen in deutsche Hände gelangte und von hohen Offizieren in den Niederlanden genutzt wurde. Nach der Kapitulation 1945 wurde der Phantom von den Briten beschlagnahmt und diente anschließend als Dienstwagen für hochrangige Offiziere, darunter General Sir Brian H. Robertson. Später wurde er Sir Ivone Augustine Kirkpatrick, dem britischen Hochkommissar in Deutschland, zugeteilt, der ihn 1951 offiziell übernahm.

Kirkpatrick brachte das Fahrzeug nach Großbritannien und verkaufte es 1954 an J. Marshall Dent aus Warwickshire. Nach dessen Tod im Jahr 1959 gelangte der Phantom in die USA. In Chicago, Illinois, erwarb ihn 1964 Roger S. McCormick aus der Familie von International Harvester. Nach seinem Tod wechselte der Wagen mehrmals den Besitzer, bis McCormicks Tochter, Charlotte Deering McCormick, ihn im Januar 1982 zurückkaufte. Sie ließ ihn restaurieren und nutzte ihn regelmäßig, unter anderem beim Pebble Beach Concours d’Elegance.
2011 gelangte das Fahrzeug nach Liechtenstein und wurde 2021 über eine Auktion in die Schweiz verkauft. Von den Schlachtfeldern Europas über die Highways Amerikas bis in die Schweizer Alpen – und sogar auf die Rasenflächen von Pebble Beach – dieser Phantom III hat die Welt gesehen.

Mit seinem V12-Motor und dem luxuriösen, einladenden Interieur bleibt er ein Automobil, das zu seinem ursprünglichen Zweck geschaffen wurde: zum Fahren und Genießen.

 

Der Rolls-Royce Phantom III Voll & Ruhrbeck Four-Door Cabriolet von 1937 wird am 1. November bei Broad Arrow Auctions während der Zürich-Auktion versteigert. Mit einem Schätzpreis zwischen 200.000 und 300.000 CHF ist er attraktiv bewertet – insbesondere im Vergleich zu seinem früheren Verkauf im Jahr 2021 für 455.000 CHF. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Text von Laurens Klein

 

Details:

Publiziert:
Montag Oktober 20th, 2025
Stefan
27 Oktober 2025, 10:50
My sources say that the first owner was a baron Joachim von Ribbentrop, German ambassador in London. See the file attached. This information comes from a book of the Liechtenstein collector.
Weiter lesen

Kommentar abgeben...


Melden Sie sich an, um Ihre Reaktion direkt zu veröffentlichen

Bilder zu Ihrer Reaktion hochladen