Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Vor Rolls-Royce gab es Napier. Bereits mit dem Einstieg in den Automobilbau im Jahr 1900 produzierte das Londoner Unternehmen wohl die raffiniertesten, leistungsstärksten und luxuriösesten Autos Großbritanniens – bis Rolls-Royce 1907 den Silver Ghost als Herausforderer auf den Markt brachte. Von da an lieferten sich die beiden Marken ein erbittertes Duell, das bis 1924 andauerte, als Napier sich aus dem schrumpfenden Markt für Luxusfahrzeuge zurückzog, um sich auf die lukrativere Herstellung von Flugmotoren und später auf den verblüffenden Deltic-Dieselmotor für Lokomotiven zu konzentrieren.
Es ist leicht nachzuvollziehen, warum eine Persönlichkeit wie Sir Joseph Robinson – ein Diamanten- und Goldminenbesitzer in der Nähe von Kapstadt – diesen Napier Type 44 30/35 PS Pullman-Landaulet von Cunard seiner Autosammlung hinzufügen wollte, auch wenn er ihn nur selten nutzte. Das Chassis war robust genug für Südafrikas raue Pisten, der aufwendig konstruierte Vierzylinder mit vier Litern Hubraum brachte den Wagen auf ordentliche Geschwindigkeit, sobald die Straße es zuließ, und die prachtvolle Karosserie von Cunard bot nicht nur unvergleichlichen Komfort, sondern auch die Gewissheit, modisch ganz vorne mitzufahren – die geschwungenen, herabfallenden Seitenlinien sind ein klarer Versuch, Art-Nouveau-Motive ins Automobildesign zu integrieren.
Der Napier stand bis 1959 ungenutzt in Sir Josephs Garage, wurde dann behutsam restauriert und nach Großbritannien verschifft, wo er 2010 in die Sammlung des inzwischen verstorbenen Jim Boland aufgenommen wurde. Nun, da eine Auswahl aus der Boland Collection am 8. Juli von RM Sotheby’s versteigert wird, hat Peter Card die Gelegenheit genutzt, dieses außergewöhnliche Überbleibsel im Juliheft von The Automobile näher zu betrachten – jetzt im Handel erhältlich.
Fotos: James Lynch