Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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„Renaults Rolls-Royce“ mag zunächst wie ein absurder Beiname für den Reinstella klingen, doch beschreibt er in wenigen Worten erstaunlich treffend, welche Art von Automobil man sich vorstellen sollte. Groß, Reihenachtzylinder, leistungsstark, teuer, von gehobenem Anspruch – all das passt ebenso gut, doch da diese Eigenschaften meist eher mit Rolls-Royce als mit Renault verbunden werden… Laut Renault selbst, in einer Pressemitteilung vor einigen Jahren, wurden fünf verschiedene Karosserievarianten für den Reinstella angeboten: Limousine, Pullman, Landaulet, Coupé und Cabriolet, letzteres wahlweise als Vier- oder Sechssitzer. Moment – das sind sechs.
Wie dem auch sei. Vielleicht waren dies lediglich die Varianten im offiziellen Prospekt, doch die tatsächliche Auswahl ging natürlich weit darüber hinaus und wurde nur durch Budget und Fantasie begrenzt. Einige recht extravagante Karosserien von Aufbauherstellern wie Gaston Grümmer sind bekannt. Weniger exzentrisch, aber dennoch bemerkenswert könnte der hier gezeigte Reinstella ebenfalls eine Kreation Grümmers sein – ein sogenannter Transformable oder vielleicht ein Faux-Cabriolet?
Interessanterweise sehen wir den Wagen hier beim Start der Paris–Amsterdam Rallye Féminin im Mai 1931, organisiert vom Automobile Club Féminin. Neben dem gesellschaftlichen Aspekt mussten die Teilnehmerinnen auch eine Bergprüfung sowie eine Gleichmäßigkeitsprüfung absolvieren, bevor das Ziel im Olympiastadion von Amsterdam (erbaut für die Spiele von 1928) erreicht wurde. Selbstverständlich folgte ein Gala-Dinner, bevor weitere vier (!) Tage mit Besichtigungen in den Niederlanden und Luxemburg auf der Rückreise nach Frankreich verbracht wurden.
Die Fahrerin des Reinstella ist als Magdeleine Goüin, comtesse de Ganay, identifiziert. Sie war eine begeisterte Automobilistin und hatte bereits 1930 die Rallye Paris–Saint-Raphaël Féminin gewonnen – ebenfalls in einem Reinstella. Hier belegte sie den zweiten Platz. Offenbar hatte sie ein besonderes Faible für Renaults Spitzenmodell, denn wir fanden Bilder von ihr mit einem weiteren Reinstella mit dem Kennzeichen 4725-RD4, während dieses Fahrzeug 4831-RE5 trägt. Darüber hinaus zeigt das Titelblatt der Zeitschrift Ève vom 7. Mai 1933 sie in Nahaufnahme am Steuer dessen, was als ihr Reinstella bezeichnet wird. Doch dabei handelt es sich offensichtlich um ein anderes Fahrzeug, eher mit Torpedo-Karosserie. Wer weiß..?
Text: Jeroen Booij; Bild: Bibliothèque Nationale de France