Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Specials: Kaum jemand in der PreWar-Welt hat keine Meinung zu ihnen. Die einen bewundern ihren Einfallsreichtum, ihre Individualität und ihre Leistungsfähigkeit, die anderen bedauern, dass für ihre Entstehung ein originales Automobil – oder zumindest ein Teil davon – geopfert wurde. Doch was, wenn der Special selbst längst zu einem bedeutenden Stück Automobilgeschichte geworden ist? Und wenn seine Geschichte fast wie ein Märchen klingt – voller Ehrgeiz, Triumph, Tragik und eines unerwarteten zweiten Kapitels?
Zu Beginn dieser Woche tauchte eine außergewöhnliche Karosserie in der Highest Bid-Anzeige von PreWarCar.de auf. Einst gehörte sie zu dem Bentley Special, der von Sydney „Syd“ Lawrence gebaut und gefahren wurde – einem hoch angesehenen Ingenieur, dessen Name in Bentley-Kreisen einen ausgezeichneten Ruf genoss. Wir nahmen Kontakt mit dem Verkäufer auf, der uns mehr über den faszinierenden Mann hinter diesem Fahrzeug erzählte.
Lawrence wurde 1889 geboren und unterbrach seine Ingenieursausbildung, um während des Ersten Weltkriegs als Waffenschmied und Bordschütze auf Handley Page-Bombern zu dienen. Nach seiner Militärzeit kehrte er in die Automobilindustrie zurück und übernahm schließlich die Leitung der Versuchsabteilung von Anzani, wo er Rennmotoren entwickelte.
Nach der Schließung von Anzani wechselte Lawrence 1926 zu Bentley. Als Bentley Motors 1931 zusammenbrach, gründete er in Hampstead seinen eigenen Betrieb. Zu seinen Kunden zählten unter anderem der Rennfahrer Dick Seaman, der Fotograf und Autor George Monkhouse sowie der Herzog von Kent.
Nachdem er während des Zweiten Weltkriegs Fahrzeuge der Royal Navy instand gesetzt hatte, widmete sich Lawrence in einer neuen Werkstatt in Mill Hill wieder den Vintage-Bentleys. Dort kombinierte er mit Teilen aus seinem eigenen Lagerbestand ein 3-Litre-Fahrgestell mit einem 4½-Litre-Motor. Das daraus entstandene Fahrzeug wurde im Mai 1950 unter dem Kennzeichen VMF 944 zugelassen und erhielt Lawrence' eigene Fahrgestellnummer.
Er setzte den Wagen intensiv auf Rennstrecken wie Goodwood und Silverstone ein und entwickelte ihn kontinuierlich weiter. Der Special erhielt hydraulische Bremsen und drei Vergaser, während wiederholte Motorschäden Lawrence dazu veranlassten, eine eigene Kurbelwelle zu konstruieren und neue Kipphebel aus massivem Metall von Hand anzufertigen. Berichten zufolge drehte der Motor schließlich bis auf 5.000 Umdrehungen pro Minute und beschleunigte den Wagen in Snetterton auf mehr als 130 mph. Die Erfolge auf der Rennstrecke brachten nicht nur zahlreiche Trophäen ein, sondern sorgten auch für den wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens.
Dann nahm das Schicksal eine tragische Wendung. Lawrences Ehefrau verstarb, und eine schwere Beinverletzung zwang ihn zu einem längeren Krankenhausaufenthalt. Während seiner Abwesenheit verschwanden Berichten zufolge Geld und Ersatzteile aus seiner Werkstatt. Tief deprimiert verkaufte er seinen verbliebenen Lagerbestand, schloss den Betrieb und verbrannte seine Konstruktionszeichnungen. Der Special blieb anschließend zwei Jahre ungenutzt stehen, bevor er 1968 an J. B. Vickery verkauft wurde.
Später kehrte Lawrence in die Bentley-Szene zurück und gehörte zu den ersten Erbauern von Specials auf Basis des Mk VI. VMF 944 setzte seine Rennkarriere unterdessen noch jahrzehntelang fort, wurde 2000 Dritter in Montlhéry und gewann 2003 die Con Martens Trophy in Silverstone.
2016 wurde die Karosserie entfernt und durch einen Nachbau einer Vanden Plas Tourer-Karosserie ersetzt. Dadurch ist sie heute separat erhältlich.
Mit einem Mindestpreis von lediglich 3.500 € erscheint uns dies als hervorragende Gelegenheit für alle, die ein rollfähiges Fahrgestell besitzen und noch nach einer passenden Karosserie suchen. Bentley, Lagonda, Riley – ganz gleich welche Marke. Das nächste Kapitel muss erst noch geschrieben werden. Wer nimmt die Herausforderung an?
Die Auktion endet am Sonntag, den 26. Juli, um 11:45 Uhr (MESZ). Weitere Informationen finden Sie in der Anzeige.