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Kolumne: Die Schönheit von Beaulieu

Schritt für Schritt sehe ich sie näherkommen. Schlendernd, dann wieder an einem Stand haltmachend. Der alte Mann zeigt auf etwas; der Junge nimmt das Teil in die Hand und sagt etwas zu ihm, während der Alte, auf seinem Rollator sitzend, interessiert zusieht. Energisch schüttelt er seinen grauen, faltigen Kopf, und gemeinsam setzen sie ihren Weg fort. Am nächsten Stand das gleiche Schauspiel – doch diesmal werden sie fündig. Ein freundliches Gespräch mit dem Verkäufer, Hände werden geschüttelt, Geld und Teil wechseln den Besitzer. Der alte Mann, wieder mit suchendem Blick, humpelt weiter. Der Junge, nun etwas begeisterter, folgt ihm.


Sie gehen auf mich zu, und ich frage mich, ob sie hier etwas entdecken. Am Stand von PreWarCar.de-PostWarClassic.de verkaufen wir nicht viel, außer ein paar überzähligen Dingen und natürlich den berühmten Socken. Eigentlich sammeln wir vor allem Geschichten. Also spreche ich den Mann – und, wie sich herausstellt, seinen Enkel – an. Ja, er hätte gern ein Bier, aber nicht zu lange, denn sie müssen noch das andere Feld überqueren. Schnell hole ich drei Dosen und setze mich dazu.

 

Zwei Stunden später höre ich immer noch aufmerksam zu. Er erzählt, dass er seit über vierzig Jahren nach Beaulieu kommt, zuerst mit seinem Sohn und nun auch mit seinem Enkel. Von jenem einzigartigen Teil, das er einmal ganz oben im gelben Feld gefunden hat. Davon, wie sich der Markt verändert hat, aber dass er trotzdem nicht darauf verzichten kann. Von den Tagen, an denen die ganze Familie dabei war, und wie er auf dem Rückweg das Auto so vollgestopft hatte, dass seine Frau im nächsten Jahr nicht mehr mitfuhr. Aber auch von den vielen Freundschaften, die er im Laufe der Jahre geschlossen hat – Kontakte, die bis heute herzlich geblieben sind.

 

Er gibt zu, dass er inzwischen zu alt wird, um den ganzen Tag voll dabei zu sein. Sein Sohn hat den Stand inzwischen übernommen, obwohl er selbst noch immer jeden Tag dabei ist. Aber das Organisieren überlässt er nun seinem Sohn.
Kurz darauf kommt eben dieser Sohn vorbei: er hat eine Kiste mit speziellen Schrauben gesehen und will die Meinung seines Vaters hören. So viel also zum Thema „nicht mehr dabei sein“. Der Alte steht erstaunlich flink auf, und gemeinsam ziehen sie weiter – auf der Suche nach der nächsten schönen Geschichte. Mich zurücklassend mit ein paar leeren Bierdosen – und vor allem mit der Erkenntnis, was die Beaulieu Autojumble wirklich ist: das soziale Herz des Hobbys.

 

Heute, mit Webseiten wie der unseren, haben sich Märkte verändert. Es geht nicht mehr darum, gezielt nach jenem einen Teil zu suchen, das man gerade dringend braucht – das findet man leicht online. Auf der Autojumble sucht man nach Dingen, die man vielleicht verwenden könnte, die Teil einer Geschichte werden. Sie ist Unterhaltung, sie ist sozial – und genau das macht sie so großartig.

 

Die Beaulieu Autojumble findet noch das ganze Wochenende statt – ein Ausflug für die ganze Familie lohnt sich auf jeden Fall!

 

Text von Laurens Klein

 

Publiziert:
Samstag September 6th, 2025
Gris Volcan
08 September 2025, 08:37
Beautiful story! Thanks
Still sparks curiosity about the stories he told, what part from the yellow field it was that was his biggest prize and even whether the bolts were acquired or not. I hope more similar stories are coming. I can only concur, it is not just about the one dimensional ‘did you get the part you were looking for’. The stories, the life with old cars and ‘bikes, that’s the magic.
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