Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Obwohl die meisten von ihnen derzeit noch in ihren Winterquartieren versteckt sind, sind Wohnmobile heutzutage überall zu sehen. Es besteht kein Zweifel, dass sie in ein paar Monaten wieder in großer Zahl auf den Straßen unterwegs sein werden. Spezielle Parkplätze am Rande historischer Städte – eingerichtet, um sie aus dem Blickfeld zu halten und zu verhindern, dass sie die Dorfzentren blockieren – werden bald überfüllt sein.
Vor einem Jahrhundert waren diese mehrachsigen, weißen Kolosse jedoch noch nicht zu sehen. Nun ja, es gab einige frühe Pioniere. Wir haben uns bereits das Camping-Car von Baron Jean de Crawhez angesehen (hier klicken), aber das war schlicht und einfach im Vergleich zu der wirklich erstaunlichen Konstruktion von 1915, die wir heute betrachten. Dieses Fahrzeug wurde von – oder vielleicht besser gesagt für – Roland R. Conklin gebaut, einen Unternehmer, der mehrere Firmen leitete, darunter die New York Motorbus Company, die Chicago Motorbus Company und die Roland Gas-Electric Vehicle Corporation. Natürlich basierte sein Wohnmobil auf einem Omnibus-Fahrgestell.
Es war jedoch wesentlich größer als selbst eine Doppeldeckerbus-Plattform: 7,5 Meter lang, 2,3 Meter breit und fast 4 Meter hoch, mit einem Leergewicht von sieben bis acht Tonnen. Die Ausstattung war beeindruckend: elektrisches Licht, ein Staubsauger, eine Kühltruhe mit über 90 kg Eis, eine Küche mit einem großen Ofen und sogar ein Stauraum für ein Motorrad – falls der Chauffeur einmal Hilfe holen musste. Conklin taufte seine Schöpfung die „Gypsy Van“ und unternahm mit seiner Familie wagemutige Roadtrips, begleitet von einem Koch, einer Haushälterin, einem Fahrer und einem Mechaniker!
Mit insgesamt zwölf Passagieren wurde die Gypsy Van im Jahr 1915 auf eine transkontinentale Reise über 8.000 Kilometer geschickt. Die beschwerliche Fahrt auf schlechten Straßen wurde damals ausführlich in Zeitungen und Zeitschriften beschrieben. Die New York Times bemerkte: „Die enorme Größe dieses Automobils tritt in den Hintergrund, sobald man sich mit der Vielseitigkeit seiner Ausstattung befasst. Es ist tatsächlich ein Haus auf Rädern, das jedoch mit gemäßigter Geschwindigkeit erstaunlich sanft fährt.“
Die Gypsy Van wurde von einem 60-PS-Motor unbekannter Herkunft angetrieben, der „speziell für starke Steigungen ausgelegt“ war. Auch das Getriebe war ungewöhnlich: „Das Getriebe ist vom selektiven Gleitkeil-Typ, bei dem die Zahnräder stets im Eingriff sind. Es handelt sich im Grunde um ein doppeltes Getriebe, das neun Vorwärtsgänge und drei Rückwärtsgänge bietet.“ Kein Wunder also, dass die Presse diesem außergewöhnlichen Fahrzeug den Spitznamen „Landyacht“ verlieh.
Text: Jeroen Booij
Bildquelle: Pinterest