Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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"Wheelbase" von Michael Kliebenstein.
288 Seiten, 19,8 cm x 13 cm, Softcover. (Porter Press International, Hilltop Farm, Knighton-on-Teme, Worcestershire, 01584 781588 oder www.porterpress.co.uk. £13,99)
Wir alle sind wohl zumindest ein wenig empfänglich für Nostalgie, besonders wenn es um Autos geht. Das Fahrgefühl in einem Vorkriegswagen bereitet oft mehr Freude als jede angeblich „verbesserte“ moderne Version. Mike Chapman, eine Hälfte von Chapman & Sunderland Vintage Motors, ist besonders nostalgisch. Obwohl er im Alltag mit einem Rolls-Royce Phantom von 2009 unterwegs ist, sehnt er sich nach seiner alten Derby Bentley zurück und ergreift jede Gelegenheit, einen klassischen Sportwagen zum Leben zu erwecken.
Chapman scheint auch jene Zeiten zu vermissen, in denen der Titel „Lord“ noch echten Gentlemen vorbehalten war – denken Sie an Freddie March, Earl Howe, alte Schulbindungen, noblesse oblige und all die Traditionen, die damit einhergingen. Doch der Lord, mit dem er es zu tun hat, ist das genaue Gegenteil: ein neureicher Emporkömmling, vermutlich durch eine „Cash-for-Honours“-Regelung zu seinem Titel gekommen, der entschlossen ist, Chapmans Leben zur Hölle zu machen.
Chapman ist ein erfahrener Händler in der Welt der historischen Automobile und bedauert die Veränderungen in dieser Branche. Er sehnt sich nach einer Zeit zurück, in der alles etwas stilvoller und eleganter war. Michael Kliebenstein, bekannt als europäischer Vertreter von Vintage & Prestige, hat zweifellos eigene Erfahrungen in die Geschichte einfließen lassen, auch wenn die kriminellen Elemente hoffentlich nur der Spannung des Thrillers dienen.
Wheelbase beginnt mit einer Szene, in der Mike und sein Geschäftspartner Rick Sunderland versuchen, den Auftrag zur "Österreichischen Sammlung" an Land zu ziehen – sechs Ferraris aus den späten 50er und frühen 60er Jahren mit einem geschätzten Wert von 70 Millionen Pfund. Zeitgleich entsteht ein weiteres Problem: Ein Ferrari 250 GT SWB, den sie gerade verkauft haben, wurde während des Transports gestohlen und durch eine plumpe Replik ersetzt. Damit ist die Bühne bereitet für eine spannende Kriminalgeschichte, in der Mike quer durch Europa reisen muss, um mit den Besitzern einiger der exklusivsten automobilen Schätze der Welt zu verhandeln.
Das Rätsel entfaltet sich allmählich, während Kliebenstein die Kapitel dazwischen geschickt nutzt, um eine Anthologie von Deals zu präsentieren, wie sie im Alltag eines Händlers historischer Luxusautos vorkommen könnten. Über Chapman lässt Kliebenstein auch seine Gedanken zur Branche, ihren Herausforderungen und ihrer Zukunft einfließen. Das Buch gewährt einen faszinierenden Einblick in das Leben eines High-End-Autohändlers, fernab vom Glanz des Showrooms und der Illusion eines stetigen Erfolgs.
Kliebenstein versteht es meisterhaft, die Träume vieler Autoenthusiasten zu bedienen. Er schickt Chapman auf eine Reise, die Leser zum Träumen einlädt: Unter der Sonne Italiens im Cadillac Cabriolet von 1941 cruisen, geheime Sammlungen hinter bröckelnden Villen entdecken und dabei Juwelen wie eine Isotta Fraschini Tipo 8B oder einen verloren geglaubten Aston Martin DB3 aufstöbern. Unterwegs trifft Chapman sich mit sachkundigen Freunden in charmanten Straßencafés und Bistros. Ein beneidenswertes Leben… wären da nicht die Gauner und das ungelöste Problem mit den Ferraris!
Da Wheelbase gezielt für Autoliebhaber geschrieben wurde, spielen besondere Fahrzeuge eine zentrale Rolle. In den Dialogen werden historische Fakten und Anekdoten geschickt verwoben, was das Buch sowohl unterhaltsam als auch informativ macht. Gelegentlich sind die Erklärungen etwas detailliert (der typische Autokenner weiß wahrscheinlich, dass monoposto „Einsitzer“ bedeutet oder dass das 1000 km von Buenos Aires in Argentinien stattfand), aber wissbegierige Leser werden die Detailtiefe zu schätzen wissen.
Einige kritische Anmerkungen seien jedoch erlaubt. Einige Dialoge wirken etwas hölzern, was darauf zurückzuführen ist, dass Kliebenstein ursprünglich deutscher Muttersprachler ist. Außerdem könnte die Geschichte von mehr rätselhaften Charakteren profitieren, da der Bösewicht relativ früh eingeführt wird und kaum Zweifel an seiner Rolle lässt. Etwas komplexere Figuren würden das Spannungs- und Mystery-Element verstärken. Zudem könnten die Hauptcharaktere weiter ausgebaut werden, insbesondere durch Einblicke in ihre Vergangenheit – ein Aspekt, der jedoch in zukünftigen Fortsetzungen behandelt werden könnte, da bereits an einer Fortsetzung gearbeitet wird.
Wer eine spannende und zugleich informative Lektüre sucht, wird mit Wheelbase bestens bedient. Michael Kliebenstein liefert einen fesselnden Auto-Thriller voller historischer Details und überraschender Wendungen. Autoliebhaber werden die detaillierten Beschreibungen der klassischen Fahrzeuge und ihrer Geschichte genießen, während Thriller-Fans die geschickt aufgebaute Spannung und die Intrigen schätzen werden. Ein vielversprechendes Debüt eines Autors, den man im Auge behalten sollte.