Das weltweite Magazin und der Marktplatz für Oldtimer-Enthusiasten – von Enthusiasten.
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Die Geschichte des Automobils beginnt — so seltsam es auch klingen mag — beim Fahrrad. Viele frühe Autohersteller entstammten der Welt der Pedale, Ketten und Stahlrahmen. Daher überrascht es nicht, dass so mancher Autosammler ein oder mehrere historische Fahrräder besitzt. Auch Ihr Redakteur gibt es gern zu: In der Garage stehen mehrere unmotorisierte Zweiräder. Doch hin und wieder taucht eine Sammlung auf, die selbst den abgebrühtesten Liebhaber ins Staunen versetzt. Das gilt zweifellos für die Sammlung von Monsieur M.
Am 4. Dezember 2025 versteigert das französische Auktionshaus Carrère et Laborie diese außergewöhnliche Sammlung. Sie umfasst mehr als ein Jahrhundert — von 1820 bis 1920 — und enthält Stücke, die ohne Übertreibung als museal bezeichnet werden können. Wir stellen einige unserer Favoriten vor.
Gebaut von Hillman, Herbert & Cooper gilt dieses Exemplar als technische Kuriosität der frühen Fahrradentwicklung. Es war der Versuch, das hohe und gefährliche „Ordinary“ oder Penny-Farthing sicherer zu machen, ohne vollständig auf das große Vorderrad zu verzichten, das damals als Voraussetzung für Geschwindigkeit galt.
Anstelle eines riesigen Vorderrads (50–60 Zoll) besaß das Kangaroo ein deutlich kleineres Rad von etwa 36 Zoll. Dadurch saß der Fahrer tiefer, und die potenzielle Sturzhöhe verringerte sich erheblich — ein großer Schritt in Richtung Sicherheit.
Das Fahrrad wurde über zwei Ketten angetrieben, eine auf jeder Seite des Vorderrads. Diese Ketten liefen über ein Übertragungssystem, das die effektive Entfaltung erhöhte: Auch mit einem kleineren Rad konnte man nahezu die Geschwindigkeit eines Hochrads erreichen. Es handelte sich um eine frühe Form der Übersetzung — lange bevor es den Umwerfer oder die moderne Kettenschaltung gab.
Der Rahmen orientierte sich weiterhin an der Geometrie des Hochrads, war jedoch kompakter ausgeführt. Das Fahrrad blieb ein Direktantrieb (angetriebenes Vorderrad), jedoch mit mechanischer Übersetzung.
Stellen Sie sich vor: Sie gehen eine Straße des 19. Jahrhunderts entlang, und dieses bemerkenswerte dreirädrige Tandem rollt an Ihnen vorbei. Es muss damals beinahe außerirdisch gewirkt haben. Gebaut wurde es von der Quadrant Tricycle Co. (später Quadrant Cycle Co., Birmingham, UK), einem Hersteller, der sich auf Tricycles, frühe Tandems und experimentelle Antriebssysteme spezialisierte.
Dieses Tandem-Tricycle ermöglichte es zwei Fahrern, hintereinander in einer stabilen, dreirädrigen Konfiguration zu fahren — ein Konzept, das vor 1890 sowohl bei Sportlern als auch bei Tourenfahrern sehr beliebt war. Zudem zeigt es die Denkweise der damaligen Zeit: Diese Tricycles waren sicherer als Hochräder und — nicht unwesentlich — für Damen geeignet (die damals selten Hochräder fuhren).
Mit dem Aufkommen des Safety-Bikes verschwand seine Popularität jedoch rasch.
Das älteste Stück der Sammlung ist eine Laufmaschine, die auf die früheste Form persönlicher Mobilität zurückgeht: die Draisine. Während die meisten Draisinen eine einfache Holzkonstruktion aufwiesen, zeichnet sich dieses Exemplar durch seine zoomorphe Gestaltung aus: einen kunstvoll geschnitzten Pferdekopf an der Front. Damit griff es die vertraute Bildsprache des Pferdes auf, das bis dahin das wichtigste persönliche Transportmittel war. Die Laufmaschine wurde so zu einem künstlichen Pferd — für die Zeitgenossen zugleich vertraut und faszinierend.
Trotz ihres scheinbar einfachen Aufbaus führte die Draisine mehrere Prinzipien ein, die später grundlegend werden sollten: Balance auf zwei Rädern, ein geradliniger Rahmen und menschliche Fortbewegung ohne tierische Kraft.
Um 1820 waren solche dekorierten „Hobby Horses“ vor allem Statussymbole. Sie erschienen in Parks und auf Promenaden, geritten von Wohlhabenden, die die neueste Technologie zur Schau stellen wollten. Diese zoomorphe Variante spiegelt die damalige Mode wie auch das handwerkliche Können der frühen Fahrradproduktion wider: Jedes Stück war ein Unikat, oft mit geschnitzten Details, die den Charakter des Fahrzeugs unterstrichen.
Das sogenannte „Hobby Horse“ ersetzte gewissermaßen das echte Pferd und markierte einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung des modernen Verkehrs. Der Name verweist auf Karl von Drais, den deutschen Baron, der um 1817 die Grundlage für die Laufmaschine schuf.
Nach mehr als zwei Jahrhunderten ist es beinahe ein Wunder, dass dieses Exemplar erhalten geblieben ist. Auch wenn man vermutlich nicht mehr — und nicht mehr gefahrlos — darauf fahren kann, bleibt es ein beeindruckendes Stück bewegten Kulturerbes und ein Blickfang in jedem Wohn- oder Arbeitsraum.
Fahrräder können als Transportmittel gesehen werden, doch in Sammlungen wie dieser übersteigen sie diese Funktion und werden zu eigenständigen Kunstobjekten. Eine wahrhaft spannende Auktion kündigt sich an.
Text: Laurens Klein