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Sind geschlossene Automobile schöner als offene Tourer? – Ein Blick in den Katalog von Cliveden House – RM Sotheby’s

Das Design eines Autos ist oft Anlass für leidenschaftliche Diskussionen. Während die einen auf die luftige Eleganz eines offenen Tourers schwören, sehen andere gerade in der Geborgenheit einer geschlossenen Karosserie wahre Schönheit. Was für die einen eine Verbesserung darstellt, erscheint den anderen als Verschwendung. Um dieser ästhetischen Fragestellung neues Leben einzuhauchen, werfen wir heute einen Blick auf eine besondere Sammlung formeller Automobile: Saloons und Landaulettes, die demnächst bei RM Sotheby’s im ehrwürdigen Cliveden House versteigert werden.

 

Wir beginnen in Frankreich, mit dem Renault Type V1 Series B 20/30 HP Landaulette von Million-Guiet aus dem Jahr 1908. Eine elegante, imposante Maschine mit offenem Fahrerabteil und luxuriösem, abgeschottetem Passagierraum. Die Karosserie von Million-Guiet strahlt Grandezza aus und ist ein eindrucksvolles Zeitzeugnis des Vorkriegsstils.

Auch in Großbritannien wurde das Spannungsverhältnis zwischen Fahrer und Passagier zur Kunstform erhoben. Der Sunbeam 12/16 HP Open Drive Landaulet von 1912, weitgehend im Originalzustand, verkörpert edwardianische Eleganz. Nur zwei Familien durften sich bislang Eigentümer dieses zurückhaltenden Meisterwerks nennen.

Der Daimler 15 HP Open Drive Landaulet von Rock, Thorpe & Chatfield aus dem gleichen Jahr bringt eine königliche Note ins Spiel. Mit seinen Bullaugen und der verschleierten Kabine verströmt dieser Daimler majestätische Würde, unterstützt vom charakteristischen Sleeve-Valve-Motor.

1913 folgte der Napier T44 30/35 HP Landaulet von Cunard, aufgebaut auf einem robusten Leiterrahmen. Dieses luxuriöse Fahrzeug, einst im Besitz von Sir Joseph Robinson aus Südafrika, strahlt Status und Reichtum bis ins kleinste Detail aus.

Denkt man an repräsentative Fahrzeuge, denkt man unweigerlich an Rolls-Royce. Der Rolls-Royce 40/50 HP Silver Ghost ‘Colonial’ Limousine by Hooper von 1914 macht seinem legendären Ruf alle Ehre. Diese „Colonial Spec“-Ausführung mit geschlossener Karosserie wurde sogar im Ersten Weltkrieg eingesetzt und transportierte König George V an die Front.

 

Amerikanische Pracht wird repräsentiert durch den Crane-Simplex Model 5 Double Enclosed Drive Limousine by Brewster von 1916. Hier sind sowohl Fahrer als auch Passagiere vollständig umschlossen – jeweils in ihrem eigenen Abteil. Eine seltene, fast theatralische Anordnung, die dieser Limousine ein einzigartiges Flair verleiht.

Mit den 1920er-Jahren rückt auch die Sportlichkeit in den Vordergrund. Der Bentley 3-Litre ‘Red Label’ Weymann Saloon von Freestone & Webb aus dem Jahr 1926 kombiniert Leichtbautechnik mit klassischem Design. Ein geschlossener Saloon mit flexibler Bespannung: schnell, stilvoll und charaktervoll.

Auch Frankreich versteht es, Luxus und Leistung in Einklang zu bringen. Der Delage DM Weymann Saloon von 1928 ist leichtfüßig, elegant und mit einem kräftigen Sechszylinder ausgestattet – ein Paradebeispiel französischer Ingenieurskunst am Ende der 1920er.

Der Lagonda 3-Litre Weymann Saloon von 1931 ist vielleicht der eleganteste der Reihe. Seine lange Motorhaube, schlanken Linien und die leichte Bauweise machen ihn zum idealen Touring Car: leise, komfortabel und schnell.

Der Rolls-Royce Phantom II Continental Saloon by H.J. Mulliner von 1931 fügt dem klassischen Rolls-DNA eine sportliche Note hinzu. Die niedrige Windschutzscheibe und die fließenden Formen stehen in subtilem Kontrast zum imposanten Kühlergrill – ein Meisterwerk für alle, die Stil und Leistung suchen.

 

Gegen Ende der 1930er bevorzugten Designer zurückhaltende Raffinesse. Der Alvis 4.3-Litre SB Saloon by Charlesworth von 1938 bietet eine schlichte, aber elegante Linienführung. Solide gebaut, kraftvoll motorisiert – und geschätzt von Kennern.

Zum Schluss werfen wir einen Blick auf das Bentley 4¼-Litre ‘High Vision’ Coupé by H.J. Mulliner aus dem Jahr 1938. Dieser Derby Bentley kombiniert große Fensterflächen mit klaren Linien und sportlich-schicker Ausstrahlung. Perfekt passend zum selbstbewussten Geist der späten Dreißiger.

 

Diese Reihe von Automobilen zeigt, dass geschlossene Karosserieformen – seien es Saloons, Landaulettes oder Coupés – oft mehr bieten als bloßen Schutz vor Wind und Wetter. Sie stehen für eine Form von Raffinesse, Komfort und Detailverliebtheit, mit der ihre offenen Gegenstücke nicht immer mithalten können.

Und wo liegt Ihre Präferenz? Für uns? Ohne zu zögern würden wir den Bentley 3-Litre ‘Red Label’ Saloon von 1926 wählen. Stilvoll, schnell – und der perfekte Begleiter für den Winter. Denn ja, im Sommer fahren wir doch lieber offen.

 

Die vollständige Auktionsübersicht von Cliveden House finden Sie hier.

 

Text: Laurens Klein, Foto: RM Sotheby's

 

Publiziert:
Freitag Juni 27th, 2025

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